Scheinwohnsitz in Graz: Bosnierin kassierte über vier Jahre 31.000 Euro AMS-Geld

Eine 64-jährige Bosnierin bezog jahrelang unrechtmäßig Arbeitslosengeld in Österreich. Mutter und Tochter wurden wegen schweren Betrugs zu je sechs Monaten bedingter Haft verurteilt.

Scheinwohnsitz in Graz: Bosnierin kassierte über vier Jahre 31.000 Euro AMS-Geld

Scheinwohnsitz in Graz: Mutter und Tochter wegen AMS-Betrugs verurteilt

Mehr als vier Jahre lang soll eine 64-jährige Bosnierin Arbeitslosengeld vom AMS bezogen haben, obwohl sie überwiegend in Bosnien-Herzegowina lebte. Ermöglicht haben soll ihr das ein Scheinwohnsitz in Graz. Wie 5min.at berichtet, wurden dabei laut Ermittlungen der Task Force SOLBE mehr als 31.000 Euro unrechtmäßig ausbezahlt. Zuständig war das AMS Graz West und Umgebung.

Vor Gericht mussten sich die 64-Jährige und ihre 29-jährige Tochter verantworten. Die Tochter soll die Mutter aktiv unterstützt haben: Sie füllte Anträge aus, begleitete sie zu AMS-Terminen und dolmetschte dort für sie — obwohl sie nach Angaben des Gerichts wusste, dass der Lebensmittelpunkt der Mutter nicht in Österreich lag. Die 64-Jährige hatte zwar ein Zimmer in der Grazer Wohnung ihrer Tochter, verbrachte den Großteil der Zeit aber in Bosnien. Beide Frauen zeigten sich geständig.

18.000 Euro wurden bereits zurückgezahlt. Die verbleibenden 13.000 Euro konnte das AMS nicht mehr vollständig zurückfordern, da gesetzlich nur ein Zeitraum von drei Jahren geltend gemacht werden kann. Das Gericht erklärte diesen Betrag daher für verfallen — die Frauen müssen ihn an die Republik Österreich abführen. Zusätzlich wurden Mutter und Tochter wegen schweren Betrugs zu je sechs Monaten bedingter Haft verurteilt. Beide waren bis dato unbescholten.

Der Fall steht nicht allein. Die Zahlen, die die Kleine Zeitung nennt, zeigen eine deutliche Entwicklung: 2016 wurden österreichweit noch 472 Anzeigen wegen Sozialbetrugs verzeichnet, 2025 waren es bereits 6.062 Fälle. Seit der Gründung der Task Force SOLBE im Jahr 2018 wurde ein Gesamtschaden von rund 158 Millionen Euro aufgedeckt — allein im Vorjahr soll es um 23 Millionen Euro gegangen sein. Im Jahr 2025 wurden 6.191 Tatverdächtige erfasst. Laut Innenministerium hatten 74,5 Prozent davon keine österreichische Staatsbürgerschaft, 25,5 Prozent waren Inländer.

Source: Google News AT — Crime (de)