Prozess gegen vier Wiener Polizisten nach Festnahme mit Hirnschlag-Folge

Vier Beamte müssen sich in Wien vor Gericht verantworten, nachdem ein festgenommener Ukrainer anschließend einen Schlaganfall erlitten hatte.

Prozess gegen vier Wiener Polizisten nach Festnahme mit Hirnschlag-Folge

Prozess gegen vier Wiener Polizisten nach Festnahme mit Hirnschlag-Folge

Im Saal 203 des Wiener Straflandesgerichts begann am Dienstag der Prozess gegen vier uniformierte Einsatzkräfte. Der Vorwurf: Sie sollen einen 54 Jahre alten Mann aus der Ukraine so in Gewahrsam genommen haben, dass dieser danach einen Hirninfarkt erlitt.

Der Zwischenfall liegt bereits über ein Jahr zurück. Am 9. Mai 2024 versammelten sich Menschen am Schwarzenbergplatz, um an gefallene Soldaten der Sowjetarmee zu erinnern. Eine Gegenkundgebung ukrainischer Aktivisten fand parallel statt. Unter den Anwesenden befand sich auch der später Geschädigte, der alkoholisiert wirkte und lautstark Störungen verursachte.

Laut Anklage soll ein Beamter den Mann niedergeworfen und ihm mit dem Knie auf den oberen Rücken oder die Halsregion gedrückt haben. Danach wurde er in das Gewahrsamsgebäude in der Roßauer Lände verbracht. Dort soll der Festgehaltene mehrfach Hilfe angefordert und sich in der Zelle übergeben haben – ohne dass jemand reagierte. Bei seiner späteren Befragung saß er bereits im Rollstuhl. Nach Erhalt einer Ordnungsstrafe durfte er gehen und rief selbst den Rettungsdienst.

Die Anklagebehörde wirft dem ersten Angeklagten fahrlässige Misshandlung vor, drei weiteren Beamten die Misshandlung oder Vernachlässigung einer in Haft befindlichen Person. Gegen den vierten wird zudem Amtsanmaßung erhoben. Alle bestreiten die Vorwürfe.

Der leitende Staatsanwalt bezeichnete den Fall als außergewöhnlich. Die Beweislage ist jedoch problematisch: Akten sollen unvollständig sein, und die Erinnerung der Beschuldigten weist Lücken auf. Ein Gerichtsmediziner, der den Ukrainer nach der Festnahme untersucht hatte, gab an, äußere Blessuren weitgehend ausgeschließen zu haben.

Quelle: Falter.at

Source: Google News AT — Crime (de)