Wiener Gericht verhandelt Fall von mutmaßlicher Polizeigewalt
Ein 54-Jähriger erlitt bei seiner Festnahme am Schwarzenbergplatz schwere Verletzungen, die nach Anklage einen Hirnschlag nach sich zogen. Nun stehen vier Beamte vor Gericht.

Wiener Gericht verhandelt Fall von mutmaßlicher Polizeigewalt
Vier Polizeibedienstete müssen sich seit dieser Woche vor dem Wiener Landesgericht verantworten. Der Vorwurf: Ein damals 54 Jahre alter Mann sei bei seiner Festnahme im Mai 2024 in der Innenstadt so grob behandelt worden, dass er anschließend einen Schlaganfall erlitt.
Der Vorfall ereignete sich am 9. Mai 2024 am Schwarzenbergplatz. Laut Anklage verursachte ein Beamte bei der Festnahme ein Hals-Nacken-Trauma, das in weiterer Folge zu einem Hirnschlag führte. Der Betroffene stammt aus der Ukraine.
Nach der Festnahme brachten die Polizisten den Mann in das Anhaltezentrum an der Rossauer Lände. Dort wurde er über mehrere Stunden in eine Zelle gesperrt. Trotz wiederholter Hilferufe, des Drückens der Notfalltaste und deutlicher Anzeichen für gesundheitliche Probleme habe niemand reagiert, so die Anklage.
Erst am späten Abend wurde der Mann einem Rechtsberater der Polizei vorgeführt. Zu diesem Zeitpunkt war er bereits im Rollstuhl sitzend und offensichtlich nicht mehr gehfähig. Dennoch soll der Jurist eine Befragung durchgeführt haben, obwohl Zeugen den Zustand des Mannes als völlig desorientiert beschrieben.
Die Staatsanwaltschaft wirft dem Beamten, der die Festnahme durchführte, fahrlässige Körperverletzung mit schwerwiegenden Folgen vor. Bei ihm wird eine außergerichtliche Einigung geprüft. Die drei anderen Beschuldigten – der Aufnahmeleiter, der Wachposten und der Polizeijurist – sehen sich mit den schwereren Vorwürfen des Amtsmissbrauchs sowie der Misshandlung beziehungsweise Vernachlässigung eines Gefangenen konfrontiert.
Für alle Angeklagten gilt die Unschuldsvermutung, bis das Gericht rechtskräftig entschieden hat.
Quelle: 5 Minuten
Source: Google News AT — Crime (de)