Zeuge im Wiener Folterprozess berichtet von jahrelanger Angst vor Polizei

Im Prozess gegen zwei ehemalige syrische Geheimdienstler schilderte ein mutmaßliches Folteropfer am Dienstag vor dem Wiener Straflandesgericht, wie sehr die Erlebnisse in Assad-Haft ihn bis heute prägen.

Zeuge im Wiener Folterprozess berichtet von jahrelanger Angst vor Polizei

Zeuge im Wiener Folterprozess berichtet von jahrelanger Angst vor Polizei

Ein syrischer Zeuge hat am Dienstag im Wiener Straflandesgericht ausgesagt, dass er auch mehr als zehn Jahre nach seinem mutmaßlichen Martyrium unter der Assad-Diktatur noch immer psychisch stark belastet sei. Der Mann schilderte, dass er bis zum Jahr 2015 nicht allein in einem Zimmer schlafen konnte. Selbst der Anblick eines Polizisten löse bei ihm bis heute Panik aus.

Die Aussage fiel im Rahmen eines Großprozesses gegen zwei ehemalige Vertreter des syrischen Geheimdienstes. Hauptangeklagter ist der frühere Geheimdienstgeneral Khaled Al Halabi. Ihm wird vorgeworfen, während seiner Zeit in Diensten des Assad-Regimes für schwere Menschenrechtsverletzungen verantwortlich gewesen zu sein. Als Zweitangeklagter steht Mussab A. vor Gericht. Beide bestreiten die gegen sie erhobenen Vorwürfe; es gilt die Unschuldsvermutung.

Der Zeuge beschrieb im Gerichtssaal die unsichtbaren Narben, die die mutmaßliche Folter hinterlassen habe. Die psychischen Spuren seien auch nach über einem Jahrzehnt noch immer präsent und beeinträchtigten sein tägliches Leben erheblich.

Der Prozess in Wien gilt als einer der bedeutendsten Verfahren gegen mutmaßliche Verbrecher des syrischen Regimes in Europa. Internationale Menschenrechtsorganisationen verfolgen das Verfahren mit großer Aufmerksamkeit.

Quelle: Der Standard

Source: Google News AT — Crime (de)