Jugendlicher bleibt vor Gericht stumm: Prozess um antisemitischen Angriff in Zürich
Ein 17-Jähriger, der einen Mann in Zürich mit einem Messer attackierte, weigerte sich, vor dem Richter zu sprechen. Die Anklage wirft ihm versuchten Mord aus terroristischem Hintergrund vor.

Jugendlicher bleibt vor Gericht stumm: Prozess um antisemitischen Angriff in Zürich
Vor dem Bezirksgericht in Zürich hat ein 17-jähriger Angeklagter am ersten Prozesstag sämtliche Fragen des Richters abgelehnt. Statt einer Stellungnahme wiederholte er immer wieder die Formel «Keine Aussage».
Der Vorfall, um den es im Verfahren geht, spielte sich gegen 21 Uhr abends nahe einer jüdischen Gebetsstätte in Zürich ab. Die Anklagebehörde wirft dem jungen Mann vor, über Wochen hinweg einen Gewaltakt geplant zu haben. Er soll sich radikalisiert haben und ein vierminütiges Propagandavideo veröffentlicht haben, in dem er sich als Kämpfer für den sogenannten Islamischen Staat bezeichnete.
Zuerst versuchte der Beschuldigte, in die Synagoge einzudringen. Als dies scheiterte, wählte er ein anderes Ziel: einen Mann, der durch seine Kleidung als orthodoxer Jude zu erkennen war. Von hinten attackierte er das Opfer mit einer Klingenwaffe. Umstehende konnten den Täter festhalten, bis die Polizei eintraf.
Während der Verhandlung las der Vorsitzende Richter Passagen aus früheren Vernehmungen des Jugendlichen vor. Darin gab der Beschuldigte an, er habe geplant, von den Ordnungskräften erschossen zu werden. Sein Ziel sei gewesen, als Märtyrer zu sterben und so in den Himmel zu gelangen. Als Motiv nannte er Rache für seine «Glaubensbrüder in Gaza».
Eine Audioaufzeichnung, die während der Tat entstand, da ein Mobiltelefon in der Tasche des Angreifers lief, dokumentierte dessen Worte auch nach der Festnahme. Darauf ist zu hören, wie er Angehörige des Verletzten bedrohte und Slogans der Terrorgruppe «Islamischer Staat» rief.
Die Jugendanwaltschaft wirft dem Angeklagten mehrfachen versuchten Totschlag, Beihilfe zu einer kriminellen Organisation, Diskriminierung sowie Hetze vor. Sie forderte eine einjährige Freiheitsstrafe sowie verschiedene Schutzmassnahmen, unter anderem eine ambulante Therapie und eine Unterbringung in einer geschlossenen Einrichtung.
Der junge Mann erhielt 2011 die Schweizer Staatsbürgerschaft. Der Gewaltakt sorgte für Entsetzen in der politischen Welt. Vertreter jüdischer Gemeinden sprachen von einer alarmierenden Eskalation, während Schweizer Islamverbände die Tat aufs Schärfste verurteilten.
Quelle: SRF
Source: SRF