Schießerei am Aarauer Rave: Vier offene Fragen vor Polizei-Pressekonferenz
Zwei Tage nach dem Angriff auf einen Rave in Aarau bleibt die Öffentlichkeit im Unklaren über Täter und Motiv. Die Aargauer Polizei informiert heute in Schafisheim.
Vier Widersprüche vor dem Auftritt der Strafverfolger in Schafisheim
Knapp 48 Stunden nach der Schießerei beim Aarauer Rave in der Nacht auf Sonntag tritt die Aargauer Kantonspolizei heute um 14 Uhr in Schafisheim vor die Presse. Wie Blick berichtet, bleiben bis dahin zentrale Fragen zu Täterschaft und Motiv offen.
Einzeltäter oder Komplize?
Rund 24 Stunden nach den Schüssen nahm die Polizei außerhalb des Kantons Aargau einen dringend tatverdächtigen Mann fest. Die Behörden gehen offiziell von einem Einzeltäter aus. Mehrere Zeugenaussagen widersprechen dieser Darstellung jedoch: Einige Besucher wollen zwei Täter gesehen haben. Zudem wurden an zwei verschiedenen Orten Patronenhülsen von zwei unterschiedlichen Waffen gefunden — ein Umstand, der den Verdacht eines zweiten Beteiligten nicht ausräumt.
Terror, Amok oder Milieu-Abrechnung?
Drei Motive standen von Anfang an im Raum. Gegen einen Terroranschlag spricht laut Ermittlern der Zeitpunkt der Schüsse sowie die vergleichsweise geringe Munitionsmenge. Am Tatort fand die Polizei nach eigenen Angaben «mehr als ein Dutzend» Patronenhülsen des Gewehrs — deutlich weniger als die 30 Schuss, die ein AK-Magazin fasst.
Italienische Medien fokussieren sich derzeit auf die Amok-Theorie. Sie berufen sich auf Angaben aus Ermittlerkreisen und berichten, der Schütze sei ein Schweizer gewesen, der «wütend auf die Welt» gehandelt habe.
Für eine Milieu-Abrechnung sprechen wiederum andere Indizien: Das Todesopfer, die 22-jährige Maria S., trug laut ihrem Freund Christopher D. einen «problematischen Nachnamen», der ihr «einige Probleme bereitet hatte». Sie habe nach einem anderen Leben gesucht, sagte er gegenüber Medien. Darüber hinaus soll der Schütze das Fahrzeug eines Fahrenden in der Nähe des Festivalgeländes beschossen haben, nachdem er aus seinem eigenen Auto ausgestiegen war. Auch die mutmaßliche Tatwaffe — eine AK-74 — werde bevorzugt von mafiösen Gruppierungen verwendet.
Das Bild bleibt widersprüchlich: Dieser eine gezielte Schuss auf das Fahrzeug passt kaum zum übrigen Vorgehen des Täters. Handelte es sich um eine Zufallsbegegnung oder einen gezielten Angriff?
Welche Waffe kam tatsächlich zum Einsatz?
Der «Corriere della Sera» behauptete in einer Schlagzeile, der Täter habe aus einem «Sturmgewehr der Schweizer Armee» gefeuert. Diese Einschätzung steht im Widerspruch zu den Befunden der Schweizer Ermittler, die die sichergestellten Patronenhülsen der AK-74-Produktionsreihe zuordnen — einer sowjetischen Konstruktion, die nichts mit dem Schweizer Armeegewehr gemein hat. Dieselbe Zeitung gibt zudem an, der Festgenommene sei Schweizer und ehemaliger Armeeangehöriger, der geübt im Umgang mit Waffen sei, und erinnert daran, dass in der Schweiz Sturmgewehre aus der Militärzeit zu Hause gelagert werden dürfen.
Hat sich der Täter selbst gestellt?
Die «Repubblica» schreibt — vorsichtiger formuliert als andere Blätter — dass Informationen darauf hindeuteten, der Täter habe sich selbst der Polizei gestellt. Die Aargauer Kantonspolizei hat sich zu den Umständen der Festnahme bislang nicht geäußert.
Welche der kursierenden Versionen zutreffen und welche sich als falsch erweisen, wird sich heute Nachmittag zeigen. Blick überträgt die Pressekonferenz der Strafverfolgungsbehörden live aus Schafisheim.
Source: Blick