Gemeindepräsident Féraud von Crans-Montana lehnt Rücktritt trotz Ermittlungen ab

Niclas Féraud steht wegen fahrlässiger Tötung und Brandstiftung unter Druck, will aber im Amt bleiben. Ein Rücktritt wäre „Feigheit oder Fahnenflucht", sagte er.

Gemeindepräsident Féraud von Crans-Montana lehnt Rücktritt trotz Ermittlungen ab

Kein Rücktritt: Crans-Montanas Gemeindepräsident wehrt sich öffentlich

Niclas Féraud (55), Gemeindepräsident von Crans-Montana, will trotz laufender Strafermittlungen wegen fahrlässiger Tötung und Brandstiftung nicht zurücktreten. Das erklärte er laut Blick in einem Interview mit dem Lokalsender Canal 9, in dem er auch Bilanz zur Situation der Gemeinde seit dem 1. Januar zog.

„Aufzugeben wäre Feigheit, wäre Desertion", sagte Féraud. Er sei gewählt worden, um die kommunalen Angelegenheiten zu regeln – in guten wie in schlechten Zeiten. Rücktrittsforderungen seien vor allem aus italienischen Medien laut geworden, als ob sein Abgang „irgendetwas wieder gutmachen könnte".

Der Gemeinderat stehe derzeit so geschlossen zusammen wie nie zuvor, so Féraud weiter. Bei Abstimmungen zu den eigenen Verantwortlichkeiten – auch jenen seines mitangeklagten Ratskollegen Patrick Clivaz – verlassen die Betroffenen den Saal. Ein Grossteil der laufenden Arbeit drehe sich um die Folgen der Katastrophe vom 1. Januar: Sicherheitsfragen, Kontakte zur Justiz und zu den betroffenen Familien.

Am 21. April wurde Féraud fast zwölf Stunden lang von Staatsanwältinnen vernommen. „Ich bin erleichtert, dass ich mich endlich äussern konnte", sagte er. „Es war lang und nicht wirklich angenehm." Mit einer erneuten Vorladung rechnet er.

Für Aufsehen sorgte ein Treffen, das er wenige Stunden nach dem Verhör hatte: Féraud traf sich auf einen Kaffee mit dem ehemaligen Sicherheitsbeauftragten der Gemeinde, der zwei Tage später ebenfalls vorgeladen werden sollte. Féraud wies den Verdacht einer Absprache zurück. „Ich habe nichts Illegales getan", sagte er. Es sei ein normaler Akt der Freundschaft und des Respekts gewesen. „Hätten wir etwas anzetteln wollen, hätten wir vier Monate Zeit dafür gehabt."

Offen bleibt die Frage nach den wirtschaftlichen Folgen für die Gemeinde. Steuererhöhungen seien derzeit nicht geplant, so Féraud. Das Insolvenzrisiko werde die Zukunft zeigen. Das Zivilverfahren dürfte mindestens fünfzehn Jahre dauern, in denen Crans-Montana kaum Rücklagen bilden könne. Eine Zwangsverwaltung hält Féraud dennoch für „völlig sinnlos".

Source: Blick