Winterthurer Messerangriff: Bundesanwalt vermutet terroristischen Hintergrund
Die Bundesanwaltschaft sieht im Fall des Messerangriffs in Winterthur, bei dem drei Fussgänger verletzt wurden, Anzeichen für eine terroristische Tatmotivation.

Winterthurer Messerangriff: Bundesanwalt vermutet terroristischen Hintergrund
Bei dem Vorfall in Winterthur, bei dem ein Mann drei Passanten mit einer Klinge verletzte, vermuten die Fahnder einen politisch motivierten Hintergrund. Der Beschuldigte sitzt gegenwärtig in Untersuchungshaft. Der oberste Bundesanwalt Stefan Blättler erklärte gegenüber dem Schweizer Radio und Fernsehen, die bisherigen Vernehmungen deuteten auf eine extremistische Tat hin. Gleichzeitig lasse man den Mann psychiatrisch begutachten.
Blättler wies darauf hin, dass Radikalisierung und psychische Störung keineswegs gegensätzlich sein müssen. Die Untersuchung solle nun präzise klären, was den Angreifer trieb und ob er voll schuldfähig war.
Der Fall beleuchtet zudem Probleme bei der Strafverfolgung in Terrorfällen. Die Ermittler haben bislang keine Möglichkeit, das Mobiltelefon des Inhaftierten auszuwerten. Ein Richter muss zunächst festlegen, auf welche Daten Zugriff besteht. Blättler kritisierte diese «Siegelung» und plädierte für eine Änderung der entsprechenden Gesetzeslage. Bei Bedrohungen der öffentlichen Sicherheit sei Geschwindigkeit essenziell.
Der oberste Anwalt äusserte sich auch zu einem weiteren brisanten Fall: Ein Bediensteter des Bundespolizeiamtes soll organisierten Kriminellen interne Akten verkauft haben. Blättler bezeichnete dies als bedauerlich, erklärte aber, dass selbst in der Schweiz solche Vorkommnisse nicht völlig vermeidbar seien. Absolute Sicherheit gegen Verrat gebe es nirgends, auch nicht in seiner eigenen Dienststelle. Er vertraue jedoch seinen Mitarbeitern. Als Konsequenz prüfe man, ob mehr Personen einer Sicherheitsüberprüfung unterzogen werden sollten.
Trotz der jüngsten Vorfälle betonte Blättler, dass die Eidgenossenschaft weiterhin ein sicheres Land darstelle. Dennoch müsse man sich eingestehen, dass man in einer veränderten Welt lebe, in der auch hierzulande neue Kriminalitätsphänomene aufträten.
Quelle: SRF News
Source: SRF