Elf Jugendliche nach Angriff in Wetzikon verhaftet – Mütter verteidigen ihre Söhne

Nach einem brutalen Angriff auf einen 14-Jährigen in Wetzikon wurden elf Jugendliche festgenommen. Einige Eltern zeigen sich überfordert, andere spielen die Tat herunter.

Wetzikoner Jugendbande: Elf Festnahmen nach Angriff – Eltern verharmlosen die Tat

Ein Video, das Blick zugespielt wurde, zeigt, wie eine Gruppe Jugendlicher den 14-jährigen Daniel T.* mit Tritten und Schlägen gegen den Kopf attackiert. Einer der Angreifer hält eine Handfeuerwaffe – offenbar eine Attrappe – an den Kopf des Opfers und filmt. Ein weiterer soll laut Polizei eine Machete mitgeführt haben.

Kurz nach der Berichterstattung von Blick, bei der auch der Vater des Opfers zu Wort kam, folgte eine Verhaftungswelle. Wie die Zürcher Staatsanwaltschaft bestätigt, wurden inzwischen elf Jugendliche festgenommen, die verdächtig sind, an dem Angriff beteiligt gewesen zu sein.

«Er ist kein Prügler» – Mutter eines Verhafteten verteidigt ihren Sohn

Blick besuchte die Mutter eines der Festgenommenen einige Tage nach dem Vorfall. Sie bestätigte, dass ihr Sohn an der Tat beteiligt war und sich in Haft befindet – wollte ihn aber in keiner Schuld sehen: «Im Video sagt er sogar, die anderen sollen aufhören. Er ist kein Böser und kein Prügler!»

Zugleich zweifelte sie an der Schwere des Vorfalls: «Es war gar nicht so schlimm, und das Opfer wurde auch nicht schwer verletzt.» Die Inhaftierung ihres Sohnes bezeichnete sie als Frechheit.

Laut Polizeiberichten musste das Opfer jedoch ins Spital eingeliefert werden, da es zu Prellungen gekommen war, insbesondere im Kopfbereich. Die Gruppe hatte den Jugendlichen mit Machete und Schusswaffe bedroht; er kauerte in Todesangst auf dem Boden.

Vater am Bahnhof Wetzikon – Sohn wechselt die Aussage

Auch der Vater eines weiteren mutmasslichen Täters wurde von Blick am Bahnhof Wetzikon angetroffen. Er zeigte sich zunächst schockiert und rief seine Frau und seinen Sohn dazu. Der Sohn räumte gegenüber Blick zunächst eine Beteiligung ein, beteuerte aber, «nichts gemacht» zu haben. Auf die Frage, warum er nicht die Polizei gerufen habe, bestritt er plötzlich, überhaupt dabei gewesen zu sein. Einen Tag später wurde er festgenommen.

Ermittlungen: Verhaftungen in mehreren Wellen

Wie die Zürcher Kantonspolizei in einer Medienmitteilung mitteilte, stellte sich zunächst ein 16-jähriger Portugiese freiwillig. Tags darauf verhaftete die Polizei drei weitere Verdächtige zwischen 13 und 15 Jahren. Nach weiteren Ermittlungen wurden nochmals sieben Jugendliche gefasst. Alle Verdächtigen sind zwischen 13 und 16 Jahre alt und stammen aus der Schweiz, Eritrea, dem Kosovo und Portugal.

Stadtpräsident: «Ein trauriger Höhepunkt»

Für die Stadt Wetzikon sind Probleme mit Jugendgewalt nicht neu. Stadtpräsident Pascal Bassu (57) erklärte gegenüber Blick: «Es gab auch schon früher Vorfälle. Der Vorfall ist ein trauriger Höhepunkt und macht uns als Gemeinde betroffen.» Mindestens einem der Jugendlichen sei eine Rückkehr in seine Schulklasse vorerst verwehrt. Die Polizei werde zudem die Präsenz an bekannten Problemzonen verstärken.

Einer dieser Hotspots ist der Bahnhof Wetzikon, wo laut mehreren Passanten eine Gruppe von rund einem Dutzend Jugendlichen seit Längerem für Unruhe sorgt. Ein Teil dieser Gruppe soll auch am Angriff auf Daniel T. beteiligt gewesen sein. In den vergangenen Tagen sei es dort deutlich ruhiger geworden, heisst es.

Strafmass noch offen – Opfervater fordert konsequentes Durchgreifen

Welche Strafen die Täter erwarten, ist noch nicht entschieden. Da ein Teil der Festgenommenen unter 15 Jahre alt ist, dürften diese mit milden Sanktionen wie Sozialeinsätzen davonkommen. Die älteren Beteiligten müssen hingegen mit Bussen oder Freiheitsstrafen rechnen.

Der Vater des Opfers stellt gegenüber Blick eine unbequeme Frage: ob es erst einen Todesfall brauche, bevor konsequent eingegriffen werde.

Besonders erschreckend: Einzelne Jugendliche sollen das Angriffsvideo aktiv herumgezeigt und damit geprahlt haben, dabei gewesen zu sein.

Name geändert

Source: Blick