Schüsse am Aarauer Rave: Polizei prüft Terroranschlag, Amoklauf und Milieu-Tat

Eine 22-Jährige starb, fünf weitere wurden verletzt. Die Kantonspolizei Aargau verfolgt drei Hypothesen zum Motiv.

Schüsse am Aarauer Rave: Polizei prüft Terroranschlag, Amoklauf und Milieu-Tat

Fahndung läuft – Motiv und Täterschaft weiterhin ungeklärt

Die schweizweite Fahndung nach den Schützen vom Aarauer Rave dauerte auch am Montagmorgen an. In der Nacht auf Sonntag war die 22-jährige M. S. durch Schüsse ums Leben gekommen, fünf weitere Personen wurden verletzt. Wie 20 Minuten berichtet, tappen die Ermittlungsbehörden hinsichtlich Täterschaft und Motiv weiterhin im Dunkeln. Drei Hypothesen werden gleichwertig in Betracht gezogen – keine wird nach aktuellem Ermittlungsstand höher gewichtet.

Hypothese 1: Terroranschlag

Bei einem Terroranschlag äussert die Täterschaft Unzufriedenheit, die sich aus politischen, sozialen, wirtschaftlichen oder ethnischen Rahmenbedingungen speist. Da die Schützen bisher unbekannt sind, lassen sich keine Aussagen zu persönlichen Überzeugungen machen.

Für diese Hypothese spricht: Die Schüsse fielen auf dem Gelände beziehungsweise in unmittelbarer Nähe des Aarauer Rave, wo ab Samstagabend bis zu 2500 Menschen auf engem Raum erwartet worden waren. In einem Video eines News-Scouts ist eine Vielzahl von Schüssen zu hören – ein möglicher Hinweis darauf, dass mehr als eine Person ins Visier genommen wurde. Ausserdem stellten Ermittler Munition aus zwei unterschiedlichen Waffen sicher.

Gegen diese Hypothese spricht: Die Meldung über die Schüsse ging gegen 2.30 Uhr bei der Kantonspolizei Aargau ein – also rund 30 Minuten nach dem offiziellen Ende der Veranstaltung um 2 Uhr. Die meisten Partygäste befanden sich bereits auf dem Heimweg; laut Behörden dürften noch etwa 100 Personen vor Ort gewesen sein. Gleichzeitig verlief eine weitere, grössere Veranstaltung in der Nähe ohne Zwischenfälle.

Hypothese 2: Amoklauf

Bei einem Amoklauf steht häufig eine persönliche Krise der Täterschaft im Vordergrund, oft mit Bezug zum gewählten Tatort. Da die Täterschaft unbekannt ist, lässt sich auch hier nichts zur Motivlage sagen.

Die Faktenlage ist in diesem Fall deckungsgleich mit jener beim Terroranschlag: Sowohl die Argumente für als auch jene gegen diese Hypothese entsprechen denjenigen der ersten Variante. Die Munition aus zwei Waffen, die Vielzahl der Schüsse und der Veranstaltungsort sprechen dafür; die geringe Personenzahl zum Tatzeitpunkt und das reibungslose Verlaufen der Parallelveranstaltung dagegen.

Hypothese 3: Milieu-Abrechnung

Die Polizei prüft zudem, ob die Tat mit einer gezielten Abrechnung in einem bestimmten Milieu zusammenhängt. Auch hier gilt: Ohne bekannte Täterschaft lässt sich eine Verbindung zu kriminellen Organisationen nicht beurteilen.

Für diese Hypothese spricht, dass in unmittelbarer Nähe gleichzeitig die deutlich grösser dimensionierte Veranstaltung «Musig i de Altstadt» stattfand. Das könnte darauf hindeuten, dass die Täterschaft den Rave gezielt ausgewählt hatte.

Dagegen spricht laut Kantonspolizei Aargau, dass zwischen den Opfern bisher keine erkennbare Verbindung besteht. Die Behörden gehen deshalb davon aus, dass alle Betroffenen Zufallsopfer wurden.

Source: 20 Minuten

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