Schüsse beim Aarauer Rave: 43-jähriger Schweizer unter Tatverdacht, eine Tote
Beim Aarauer Rave fielen in der Nacht auf Sonntag Schüsse – eine 22-Jährige starb, fünf wurden verletzt. Ein 43-jähriger Schweizer stellte sich der Polizei.
Mutmasslicher Täter stellt sich – Familie der Getöteten fordert lückenlose Aufklärung
In der Nacht auf Sonntag, kurz nach 2.30 Uhr, fielen auf der Pferderennbahn Aarau beim dortigen Rave mehrere Schüsse. Wie Blick berichtet, wurden dabei zwei Waffen eingesetzt: eine Pistole oder Maschinenpistole sowie ein Sturmgewehr. Die 22-jährige Italienerin Maria S., wohnhaft in Oftringen AG, wurde getötet. Fünf weitere Personen erlitten teils schwere Verletzungen; alle Opfer hatten ihren Wohnsitz in der Schweiz. Die Kantonspolizei Aargau bezeichnete sie als Zufallsopfer.
In der Nacht auf Montag, kurz nach 1 Uhr, nahm die Polizei einen 43-jährigen Schweizer aus dem Kanton Jura unter dringendem Tatverdacht fest. Der Mann stellte sich in Delsberg den Behörden. Die Polizei geht von einem Einzeltäter aus und stuft die Tat mittlerweile als Amoktat ein. Im Raum stehen die Tatbestände vorsätzliche Tötung, Mord – jeweils teilweise versucht –, mehrfache Gefährdung des Lebens sowie Widerhandlungen gegen das Waffengesetz.
Hinweise auf Vorgeschichte des Verdächtigen
Die italienischen Zeitungen «La Repubblica» und «Corriere della Sera» berichteten unabhängig voneinander, der Festgenommene sei ein ehemaliger Armeeangehöriger, der wegen psychischer Probleme bereits mehrfach stationär behandelt worden sei. Zudem soll er sich selbst gestellt und die Tat gestanden haben. Offiziell bestätigt sind diese Angaben bislang nicht; die Blätter berufen sich auf Quellen aus Ermittlerkreisen.
Familie fordert weitere Ermittlungen
Der Vater von Maria S. meldete sich nach der Pressekonferenz der Aarauer Behörden über seinen Anwalt Bruno Gallo zu Wort. In einer schriftlichen Stellungnahme heisst es: «Maria wurde im Alter von nur 22 Jahren ermordet, und die Umstände des Verbrechens sind noch nicht vollständig geklärt.» Die bisher bekannten Informationen liessen es nicht zu, die Rekonstruktion des Sachverhalts als abgeschlossen zu betrachten.
«Die Hypothese einer Tat, die auf einen vermeintlichen Amoklauf zurückzuführen ist, kann weder alle Fragen klären noch eine gründliche Aufklärung ersetzen», heisst es weiter. Die Familie fordere, dass die Ermittlungen mit grösster Sorgfalt fortgesetzt und dabei alle Anhaltspunkte geprüft werden. Voreilige Schlussfolgerungen seien zu vermeiden, solange nicht alle Aspekte geklärt seien. «Maria, als Tochter Italiens, darf auf ihrer letzten Reise nicht allein gelassen werden», schliesst die Erklärung.
DJs berichten von der Tatnacht
Die beiden DJs Tekibo und Pencil, die in der Tatnacht auflegten, veröffentlichten auf Instagram ein gemeinsames Statement. «Die letzten Tage lassen sich nur schwer in Worte fassen. Wir haben das Bedürfnis, zu erzählen, was wir erlebt haben – vor allem, weil bereits so viele falsche Informationen verbreitet werden», schrieben sie.
Die Nacht sei bis zu den Schüssen ausgelassen gewesen. «Wir haben nichts als Liebe gespürt», hielten die Musiker fest. Als die Schüsse fielen, rannten die Menschen in verschiedene Richtungen und suchten Schutz. Kurz darauf erreichte Tekibo und Pencil ein Anruf: «Eine unserer Freundinnen, die M. sehr nahestand, rief uns an und sagte uns, dass M. angeschossen worden sei. Dieser Anruf hat uns den Boden unter den Füssen weggezogen.»
Kritik an Medien und falschen Berichten
Die beiden Künstler übten scharfe Kritik an der Berichterstattung. «Wir waren dort. Die Medien nicht», schrieben sie und appellierten: «Bitte macht aus Gerüchten keine Fakten. Es gibt noch keine endgültigen offiziellen Antworten der Behörden.» Zudem beklagten sie, dass Personen falsche Interviews geben würden und die Tragödie zu einem «Wettbewerb darum geworden sei, wer als Held dargestellt wird».
Ebenfalls kritisierten die DJs, dass ohne Zustimmung der Familie Spendenaktionen gestartet worden seien. Versuche, Kontakt aufzunehmen, seien ignoriert worden. Inzwischen gibt es ein offizielles GoFundMe-Konto für die Familie von Maria S., eingerichtet mit Zustimmung der Eltern.
«Uns geht es nicht gut. Wir brauchen keine Schlagzeilen. Wir brauchen keine Spekulationen. Wir brauchen Privatsphäre», schrieben Tekibo und Pencil. Trotz allem wollen sie sich die Musik nicht nehmen lassen: «Musik ist unsere Freiheit. Musik ist unsere Stimme. Musik ist unsere Verbindung. Wir werden weiterhin zusammenstehen – für M., für unsere Community, für unsere Freiheit.»
Source: Blick