François Burgat wegen Terrorverherrlichung verurteilt: 5000 Euro Strafe für Hamas-Lob

Ein Pariser Berufungsgericht hat den französischen Islamwissenschafter François Burgat wegen Verherrlichung von Terrorismus zu einer Geldstrafe verurteilt. Der 78-Jährige hatte auf X Respekt für Hamas-Anführer bekundet.

François Burgat wegen Terrorverherrlichung verurteilt: 5000 Euro Strafe für Hamas-Lob

Berufungsgericht kippt Freispruch für Islamwissenschafter Burgat

Ein französisches Berufungsgericht hat den Islamwissenschafter François Burgat am Mittwoch wegen Verherrlichung von Terrorismus zu einer Geldstrafe von 5000 Euro verurteilt. Zusätzlich verliert der 78-Jährige für drei Jahre sein passives Wahlrecht. Wie die NZZ berichtet, hatte eine Vorinstanz in Aix-en-Provence Burgat im April 2025 noch freigesprochen.

Auslöser des Verfahrens waren zwei Posts auf der Plattform X vom 2. Januar 2024 — keine drei Monate nach dem Hamas-Überfall auf israelische Zivilisten vom 7. Oktober 2023. In einem der Posts schrieb Burgat: «Ich habe unendlich viel, ich wiederhole, unendlich viel mehr Respekt und Achtung vor den Anführern der Hamas als vor jenen des Staates Israel.» Kurz darauf teilte er eine Hamas-Stellungnahme, in der Berichte über Vergewaltigungen israelischer Frauen als Propaganda bezeichnet wurden. Die Hamas-Kämpfer seien «Kämpfer für Freiheit und Würde» gewesen und hätten am 7. Oktober «mit der nötigen Männlichkeit und Ehre» gehandelt, hiess es darin.

Die Posts brachten den französischen Inlandsgeheimdienst auf den Plan. Die Staatsanwaltschaft leitete Ermittlungen wegen Verherrlichung von Terrorismus ein. Das Tribunal in erster Instanz sprach Burgat frei mit der Begründung, die Äusserungen seien im Kontext einer politischen Debatte zu verstehen. Das Berufungsgericht folgte dieser Einschätzung nicht: Die akademische Freiheit ende dort, wo wissenschaftliche Analyse in die positive Darstellung terroristischer Taten übergehe, heisst es in der Urteilsbegründung.

Prominenter Forscher mit umstrittener Karriere

Der Fall erregt in Frankreich breite Aufmerksamkeit, weil Burgat jahrzehntelang zu den einflussreichsten Experten für den politischen Islam zählte. Der Politologe und Arabist forschte in Ägypten, Jemen und Algerien und veröffentlichte mehrere Bücher über autoritäre Bewegungen im Nahen Osten. Seine Kernthese lautete, islamistische Bewegungen seien weniger religiös als politisch motiviert — ein Produkt kolonialer Erfahrungen und ungerechter Herrschaftsstrukturen. In den 1980er und 1990er Jahren galt diese Perspektive für viele als überfälliges Korrektiv.

Mit der Zeit mehrten sich allerdings die Konflikte. Der Soziologe Gilles Kepel warf Burgat vor, islamistische Netzwerke und ihre Akteure zu verharmlosen. Kepel selbst stieg nach den Anschlägen von 2015 in Frankreich zum gefragten Terrorismusexperten auf, während Kritiker Burgat vorwarfen, die analytische Distanz zu seinem Forschungsgegenstand verloren zu haben.

Weitere Kontroversen

Die Debatte um Burgat beschränkt sich nicht auf den aktuellen Fall. Als der Schweizer Islamgelehrte Tariq Ramadan mit Vergewaltigungsvorwürfen konfrontiert wurde, stellte sich Burgat demonstrativ hinter ihn und bezeichnete das Vorgehen als «Lynchmord». Nach der Verurteilung von Abdelhakim Sefrioui — einem der Angeklagten, deren Hetzkampagne dem Mord an dem Lehrer Samuel Paty vorausging — schrieb Burgat auf X, Frankreich habe damit einen weiteren Schritt aus dem Rechtsstaat getan: «Wir sind alle Terroristen.»

Akademisches Umfeld stellt sich hinter Burgat

Teile des wissenschaftlichen Milieus reagierten auf das Urteil mit Kritik. Das Pariser Forschungszentrum Carep, dessen wissenschaftlichen Rat Burgat lange präsidierte, sprach von einer «alarmierenden Entscheidung» und warnte vor einem Angriff auf die Forschungsfreiheit. Solidarität kam auch aus linken und propalästinensischen Kreisen, die das Verfahren als Beispiel für wachsenden Druck auf Akademiker und Aktivisten sehen, die sich seit dem Hamas-Massaker öffentlich zur Palästinafrage geäussert haben.

Die Richter des Berufungsgerichts grenzten sich klar von dieser Deutung ab. Im Zentrum des Verfahrens habe zu keinem Zeitpunkt Burgats grundsätzliche Haltung zum Nahostkonflikt gestanden, sondern konkrete Äusserungen, die einer terroristischen Organisation öffentliche Anerkennung verschafften.

Source: NZZ