Mordprozess Fabian: Verteidiger bringt Theorie über gelöschte Sensordaten vor

Am achten Prozesstag im Fall Fabian vor dem Landgericht Rostock präsentierte Verteidiger Thomas Löcker eine neue Theorie zu fehlenden Fahrzeugdaten. Ein Polizist sagte als erster Zeuge am Tatort aus.

Mordprozess Fabian: Verteidiger bringt Theorie über gelöschte Sensordaten vor

Schlagabtausch im Gerichtssaal beim achten Prozesstag im Fall Fabian

Am achten Prozesstag vor dem Landgericht Rostock im Mordfall Fabian ist es laut t-online.de zu einem hitzigen Austausch zwischen dem Vorsitzenden Richter Holger Schütt und dem Verteidiger der Angeklagten, Thomas Löcker, gekommen. Anschließend trat ein Polizist als erster Zeuge am Tatort auf.

Der achtjährige Fabian aus Güstrow war mit sechs Messerstichen getötet worden. Unter Mordverdacht steht die 30-jährige Gina H., die Partnerin von Fabians Vater. Die Staatsanwaltschaft wirft ihr vor, den Jungen heimtückisch und aus niedrigen Beweggründen getötet zu haben, um ihre damals angeschlagene Beziehung zu retten. Bis zu einem Urteil gilt für Gina H. die Unschuldsvermutung.

Richter stoppt den Verteidiger

Noch vor den ersten Zeugenaussagen kündigte Löcker an, eine Erklärung zu den Indizien aus der Vorwoche vortragen zu wollen. Richter Schütt wies ihn darauf hin, dass dies nur unmittelbar nach der Beweisaufnahme zulässig sei. Als Löcker erklärte, er habe fünf Seiten ausgedruckt und vorbereitet, unterbrach ihn der Richter: "Dafür haben Sie den Schlussvortrag." Löcker entgegnete, dieser werde Stunden dauern. Am Ende einigten sich beide darauf, dass der Verteidiger eine frei vorgetragene Erklärung abgeben darf.

Keine Blutspuren an der Kleidung

Gegenüber t-online.de hatte Löcker bereits vorab den Inhalt seiner Erklärung skizziert. Er halte es angesichts der bislang vorgebrachten Indizien für unwahrscheinlich, dass seine Mandantin die Täterin sei. An der Kleidung von Gina H. seien weder Blut- noch sonstige relevante Spuren gesichert worden, betonte er. Auch Brandbeschleuniger sei an der Kleidung nicht nachgewiesen worden — obwohl die Ermittler überzeugt sind, dass Gina H. Fabians Leichnam mithilfe von flüssigem Grillanzünder in Brand gesetzt habe, um Spuren zu verwischen.

Neue Theorie zu den fehlenden Fahrzeugdaten

Zudem befasste sich Löcker mit den fehlenden Sensordaten aus dem orangefarbenen Ford Ranger von Gina H. Ein Gutachter hatte in der Vorwoche ausgeführt, dass das Fahrzeug sämtliche Vorgänge — darunter das Öffnen von Türen und Standortdaten — minutiös aufzeichne, jedoch nicht im Zeitraum zwischen dem 3. September und dem 13. Oktober. Das Fehlen der Daten aus dem Tatzeitraum nannte der Gutachter "komisch", eine Manipulation hielt er für unwahrscheinlich; eher komme ein technischer Defekt infrage.

Verteidiger Löcker brachte nun eine neue Erklärung ins Spiel, die er t-online.de vorab darlegte: Dass Gina H. die Sensordaten selbst manipuliert habe, sei "völlig ausgeschlossen" — dazu sei sie technisch nicht in der Lage. Er schloss jedoch nicht aus, "dass jemand Gina H. schaden möchte". Seine Theorie lautet: Ein Dritter habe die Daten bewusst gelöscht, weil sie für die Angeklagte entlastend sein könnten. Hätten die Daten beispielsweise belegt, dass nur die Fahrertür geöffnet worden wäre, wäre klar gewesen, dass Fabian nicht im Fahrzeug gesessen haben könne. "Gina H. müsste sofort auf freien Fuß kommen", sagte Löcker. Gleichzeitig räumte er ein, dass diese Theorie spekulativer Natur sei — bei einem derart schweren Vorwurf müsse das Gericht jedoch alle Möglichkeiten eingehend prüfen.

Polizist schildert Verhalten am Fundort

Nach der Erklärung des Verteidigers trat der Polizist als Zeuge auf, der am 14. Oktober vergangenen Jahres als Erster an dem Tümpel bei Klein Upahl eingetroffen war — dem Fundort der Leiche und mutmaßlichen Tatort. Gina H. hatte angegeben, die Leiche während eines Spaziergangs mit einer Freundin zufällig entdeckt zu haben.

Der Beamte schilderte laut der "Bild"-Zeitung vor Gericht, dass Gina H. und ihre Begleiterin beim Eintreffen der Polizei noch vor Ort waren und keinen erschütterten Eindruck machten. "Beide wirkten nicht getroffen, nicht geschockt", sagte er. Zudem habe Gina H. ihn von sich aus darauf hingewiesen, dass ihre Spuren am Tümpel zu finden seien. Im Nachhinein habe ihn das befremdet: "Als Polizisten wissen wir so was ja. Es machte uns ein bisschen stutzig, dass das von allein kommt."

Fußabdruckspuren am Tümpel untersucht

Im weiteren Verlauf des Verhandlungstages wurden Fotos vom Tatort sowie von der Leiche gezeigt. Im Mittelpunkt standen dabei am Tümpel gesicherte Fußabdruckspuren. Die Ermittler fanden Abdrücke, die dem Schuh des getöteten Jungen zugeordnet werden, sowie solche, die mit der Schuhmarke der Angeklagten übereinstimmen. Ein Sachverständiger schränkte jedoch ein, dass die Spuren keine eindeutige Identifizierung ermöglichten.

Fortsetzung am Donnerstag

Der Mordprozess im Fall Fabian wird am Donnerstag fortgesetzt. Dabei sollen erneut mehrere Sachverständige gehört werden, darunter der Rechtsmediziner, der die Leiche des Jungen untersuchte. Ein weiterer Experte wird zudem zu Bodenproben und am Tatort sichergestellten Resten eines Grillanzünders aussagen.

Source: Google News LU DE