Prozess in Hamburg: Zwei Männer sollen im Auftrag Irans Mordanschläge in Deutschland geplant haben

Vor dem Hamburger Oberlandesgericht hat der Prozess gegen zwei mutmaßliche iranische Agenten begonnen. Sie sollen Anschläge auf führende Vertreter der jüdischen Gemeinschaft und der Deutsch-Israelischen Gesellschaft vorbereitet haben.

Prozess in Hamburg: Zwei Männer sollen im Auftrag Irans Mordanschläge in Deutschland geplant haben

Prozess in Hamburg: Zwei Männer sollen im Auftrag Irans Mordanschläge in Deutschland geplant haben

Vor dem Hamburger Oberlandesgericht hat am Donnerstag der Prozess gegen zwei Männer begonnen, die im Auftrag der Islamischen Republik Iran geheime Operationen in Deutschland durchführen sollen. Der 54-jährige Ali S. und der 52-jährige Tawab M. werden beschuldigt, im Sinne einer ausländischen Macht Menschen ausgespäht sowie Morde und Brandanschläge geplant zu haben.

Laut Anklage der Bundesanwaltschaft hatten die beiden in Dänemark lebenden Verdächtigen konkrete Ziele im Visier: Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden, und Volker Beck, Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft. Die Ermittler gehen davon aus, dass Ali S. seine Befehle direkt von Offizieren der Quds-Brigade erhielt, der Auslandseinheit der iranischen Revolutionswächter.

Im Juni 2025 fuhren Ali S. und seine Familie von Dänemark nach Berlin. Während der vermeintliche Urlaubsausflug stattfand, fuhr der Verdächtige allein in einem Mietwagen durch die Hauptstadt. Dabei hielt er sich in der Nähe des Sitzes der Deutsch-Israelischen Gesellschaft auf. Die Ermittler beobachteten dabei ein auffälliges Fahrverhalten.

Neben den Spähaktionen soll Ali S. auch die Vorbereitungen für einen Brandanschlag auf einen koscheren Lebensmittelladen in Berlin getroffen haben. Dafür suchte er offenbar nach einer Frau aus Somalia oder Palästina, die bereit gewesen wäre, gegen Bezahlung nach Deutschland zu reisen und den Anschlag auszuführen. Als Gegenleistung soll er etwa 4.000 Euro angeboten haben.

Der Mitangeklagte Tawab M., ein afghanischer Staatsangehöriger, soll Kontakt zu Ali S. gehabt haben. Gemeinsam planten sie demnach, eine weitere Person für ein Attentat auf Volker Beck zu gewinnen. Die Bundesanwaltschaft wirft Ali S. geheimdienstliche Agententätigkeit und versuchte Beteiligung an Mord und schwerer Brandstiftung vor. Tawab M. muss sich wegen versuchter Beteiligung an einem Mord verantworten.

Die geplanten Anschläge wurden nicht ausgeführt. Im Juni 2025 wurde Ali S. in der dänischen Stadt Aarhus festgenommen und später nach Deutschland überstellt. Beide Beschuldigten äußerten sich nach der Anklageverlesung nicht zu den Vorwürfen.

Volker Beck nahm als Zuschauer unter Polizeischutz am ersten Verhandlungstag teil. Er hat beantragt, als Nebenkläger zugelassen zu werden. Beck forderte die Ausweisung iranischer Diplomaten und eine Reduzierung des Botschaftspersonals. Die iranische Botschaft in Berlin wies die Vorwürfe als "unbegründet" zurück.

Quelle: Süddeutsche Zeitung

Source: Süddeutsche Zeitung