Berliner Sonderkommissionen nehmen Dutzende Tatverdächtige fest
Nach einem deutlichen Anstieg von Schusswaffendelikten in der Hauptstadt hat die Justiz mit spezialisierten Ermittlerteams reagiert. Mehr als zwei Dutzend Beschuldigte sitzen bereits in Untersuchungshaft.

Berliner Sonderkommissionen nehmen Dutzende Tatverdächtige fest
Die Hauptstadt erlebte zuletzt eine deutliche Zunahme bei Straftaten mit Schusswaffen. Als Reaktion darauf gründeten Staatsanwaltschaft und Landeskriminalamt jeweils eigene Spezialteams. Die Ergebnisse zeigen Wirkung: Inzwischen wurden 29 Personen inhaftiert.
Die Justizbehörde bildete Ende Februar eine neue Ermittlungsgruppe. Sie kooperiert eng mit einer Sondereinheit des LKA, die bereits im Herbst 2025 eingerichtet wurde. Beide Einheiten fokussieren sich auf organisierte Kriminalität und den illegalen Handel mit Waffen.
Laut Behördensprecher laufen derzeit 126 Verfahren. In acht davon ist bereits Anklage erhoben. Die meisten Beschuldigten sitzen in Untersuchungshaft.
Hintergrund der verstärkten Aktivitäten ist eine Serie von Angriffen auf Geschäftsinhaber mit türkisch-kurdischem Hintergrund. Unbekannte beschossen wiederholt deren Lokalitäte. Die Ermittler vermuten Täter aus demselben kulturellen Umfeld, die dem organisierten Verbrechen zuzuordnen sind.
Derzeit läuft vor dem Landgericht der Stadt ein Prozess gegen vier junge Erwachsene im Alter von 21 bis 26 Jahren. Ihnen werden schwere räuberische Erpressung, gefährliche Körperverletzung und Bedrohung zur Last gelegt. Die Anklagebehörde sieht in den Taten ein Schema aus Schutzgelderpressung und gezielter Einschüchterung mittels Waffengewalt.
Die zuständige Justizsenatorin bewertete die bisherigen Erfolge der Sonderkommissionen positiv. Einschüchterung als Geschäftsmodell dürfe in der Stadt keine Zukunft haben. Die sichtbaren Gewalttaten seien nur die Spitze des Eisbergs krimineller Strukturen. Es gelte, nicht nur Einzelpersonen zu belangen, sondern ganze Netzwerke nachhaltig aufzubrechen.
In der vergangenen Woche nahmen Beamte in Schöneberg einen 38-Jährigen fest. Er soll im März in Kreuzberg auf zwei Brüder geschossen haben. Ende Mai konnten vier weitere Verdächtige nach Schüssen im Graefekiez festgenommen werden.
Ein besonders groß angelegter Einsatz fand Mitte Mai statt, bei dem annähernd 600 Polizisten beteiligt waren. Neun Männer zwischen 23 und 63 Jahren wurden festgenommen. Sie sollen einer kriminellen Vereinigung angehört haben. Bei den Razzien stellten die Einsatzkräfte Drogen, Bargeld, eine Schusswaffe, Waffenteile, Schreckschusswaffen, zwei Autos sowie Datenträger und Handys sicher.
Die Polizei registrierte im vergangenen Jahr 1119 Fälle, in denen mit Schusswaffen gedroht oder geschossen wurde. Davon entfielen etwas mehr als die Hälfte auf tatsächliche Schussabgaben. Im Vergleich zum Vorjahr stieg die Zahl derartiger Straftaten um mehr als zwei Drittel.
Quelle: Der Spiegel