Betrugswelle in Deutschland und Österreich: Behörden warnen vor KI-Phishing und Fake-Briefen
Bundesnetzagentur, BKA und weitere Behörden schlagen Alarm: Gefälschte Behördenbriefe, KI-generierte Schockanrufe und Phishing-Mails nehmen massiv zu.

Gefälschte Behördenpost, KI-Stimmen, Phishing: Behörden warnen vor massiver Betrugswelle
Wie boerse-express.com berichtet, rollt derzeit eine breite Welle betrügerischer Briefe, E-Mails und Telefonanrufe über Deutschland und Österreich – mit zunehmend raffinierteren Methoden, darunter KI-generierte Sprache und gefälschte Behördenkommunikation.
Gefälschte Briefe an Solaranlagen-Betreiber
Die Bundesnetzagentur warnte am Dienstag vor falschen Postsendungen, die sich gezielt an Betreiber von Photovoltaikanlagen richten. Die Schreiben behaupten, die Anlage sei nicht im Marktstammdatenregister eingetragen, und fordern eine angebliche „Säumnisgebühr" von 41,60 Euro – verbunden mit der Drohung, den Betrag auf 208 Euro zu erhöhen und binnen 14 Tagen rechtliche Schritte einzuleiten.
Die Behörde nennt konkrete Warnsignale: Die Absenderadresse in Sömmerda existiert nicht, die Vorwahlen sind falsch, und die verwendete E-Mail-Domain ist keine offizielle Behördenadresse. „Solche Bußgelder versenden wir niemals auf diesem Weg", stellt die Bundesnetzagentur klar. Betroffene werden aufgefordert, Anzeige bei der Polizei zu erstatten.
BKA: Keine Vorladungen per E-Mail
Das Bundeskriminalamt warnte ebenfalls am Dienstag vor betrügerischen Mails, die angebliche Vorladungen oder Strafvorwürfe enthalten. Als Absender werden dabei Namen hochrangiger Beamter verwendet – darunter jener von BKA-Präsident Holger Münch. Ziel der Nachrichten ist die Installation von Schadsoftware oder der Diebstahl persönlicher Daten. Das BKA stellt klar: „Offizielle Vorladungen werden niemals per E-Mail versendet, sondern ausschließlich auf dem Postweg."
Deutsche Rentenversicherung und Commerzbank im Visier
Die Deutsche Rentenversicherung schlug am Montag Alarm wegen Phishing-Mails, die im Look echter DRV-Kommunikation gestaltet sind. Die Absender verweisen auf angebliche Sicherheitsupdates für die „Digitale Rentenübersicht" und fordern zur Eingabe von Bankdaten auf. Die Rentenversicherung betont: „Wir fordern niemals sensible Daten per E-Mail an." Laut Bericht setzen die Täter inzwischen KI-generierte Sprache ein, um die Nachrichten glaubwürdiger erscheinen zu lassen.
Am selben Tag tauchten Phishing-Mails auf, die scheinbar von der Commerzbank stammen. Mit Betreffzeilen wie „Letzte Mahnung vor Kontosperrung" werden Empfänger zur Aktualisierung der PhotoTAN-App innerhalb von 24 Stunden aufgefordert. Verbraucherschützer weisen darauf hin, dass die kurze Fristsetzung und das Fehlen einer persönlichen Anrede typische Erkennungsmerkmale solcher Betrugsversuche sind.
Österreich: Asfinag-Fake und betrügerische SMS der Pensionsversicherung
In Österreich warnte der Infrastrukturbetreiber Asfinag vor Mails, die angeblich fehlende digitale Vignetten beanstanden. Für eine vermeintliche „Erledigung" verlangen die Täter 12,36 Euro – über einen Link, der auf eine Seite zum Abgreifen von Kreditkartendaten führt. Zudem meldete die österreichische Pensionsversicherungsanstalt betrügerische SMS, die zur Aktualisierung von Rentenkonten auffordern.
KI-generierte Schockanrufe mit Forderungen bis 140.000 Euro
Die Polizei in mehreren deutschen Bundesländern registriert eine Zunahme sogenannter Schockanrufe. In Sachsen-Anhalt warnte die Polizei am Montag vor Betrügern, die sich als Krankenhausärzte ausgeben, einen angeblichen Intensivaufenthalt eines Angehörigen schildern und sofortige Zahlungen für teure Medikamente verlangen. Auch hierbei kommen zunehmend KI-generierte Stimmen zum Einsatz. In Nordhessen wurden ähnliche Fälle mit Forderungen von bis zu 140.000 Euro gemeldet.
Prozess wegen bandenmäßiger Urkundenfälschung in Hamburg
Parallel zur aktuellen Betrugswelle begann am Landgericht Hamburg ein Verfahren wegen bandenmäßiger Urkundenfälschung. Vier Angeklagte sollen Nicht-EU-Bürgern gefälschte europäische Ausweisdokumente und Steuerbescheide beschafft haben. Laut Anklage kassierte die Gruppe in knapp 100 dokumentierten Fällen insgesamt über 160.000 Euro von ihren Kunden.
Stromnetzreform und Bußgelddrohungen der Bundesnetzagentur
Neben der Betrugsbekämpfung drohte die Bundesnetzagentur am Montag zwei Netzbetreibern mit Bußgeldern, weil diese vorgeschriebene Netzentgelt-Reduzierungen für steuerbare Geräte wie Wärmepumpen und Wallboxen nicht umgesetzt hatten. Zudem steht eine grundlegende Reform des Stromnetzentgeltsystems an – ausgelöst durch ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs, das bis Ende 2028 vollständig umgesetzt sein soll. Branchenvertreter äußerten am Dienstag die Sorge, dass Haushalte mit Solaranlagen künftig deutlich höhere Grundgebühren zahlen müssten, was den weiteren Ausbau privater Solarenergie bremsen könnte.
Source: Google News AT — Crime (de)