Schriftstellerin 16 Jahre lang von Ex-Mann vergewaltigt: Justizskandal bricht aus
Claudia Wuttke, 59, erfuhr von der Polizei, dass sie 16 Jahre lang von ihrem Ex-Mann betäubt und vergewaltigt wurde, der die Übergriffe filmte. Der Fall wirft Fragen zur Verjährung in Deutschland auf.

Schriftstellerin 16 Jahre lang von Ex-Mann vergewaltigt: Justizskandal bricht aus
Im Juni 2025 riefen Beamte der Polizei in Lüneburg, Norddeutschland, Claudia Wuttke zu einer Identifizierung. Die 59-jährige Krimiautorin, die unter dem Pseudonym Sia Piontek schreibt, erlebte dann den Schock ihres Lebens: Die Ermittler zeigten ihr Aufnahmen, auf denen sie selbst zu sehen war – bewusstlos, während sie sexuelle Gewalt erlitt. „Diese Frau war ich“, erzählte sie der Nachrichtenagentur AFP.
Der frühere Ehemann von Claudia Wuttke hatte siebenundsechzig Videos von Vergewaltigungen aufgezeichnet, die über einen Zeitraum von sechzehn Jahren begangen wurden – während der Ehe und sogar nach der Trennung, als sie noch Kontakt hatten. Die Misshandlungen umfassten orale, vaginale und anale Penetrationen, teilweise mit Gegenständen, und einmal mit einem Baseballschläger. Die Opferin, die sich an nichts davon erinnert, vermutet, dass sie mit Beruhigungsmitteln unter Drogen gesetzt wurde.
Während dieser ganzen Zeit hatte sie ihren Mann nie verdächtigt. Sie dachte nur, dass „etwas nicht mit ihr stimmte“. Erst bei der polizeilichen Vorladung verstand sie, was ihrem Körper und ihrer Seele all die Jahre zugefügt worden war.
Der Schock wurde von einem zweiten gefolgt: Die Staatsanwaltschaft legte fünfundsechzig der siebenundsechzig Taten wegen Verjährung ad acta. In Deutschland beträgt die Verjährungsfrist für Vergewaltigungen ohne erschwerende Umstände fünf Jahre. Da die Betäubung nicht nachgewiesen werden konnte, blieben zunächst nur zwei Taten verfolgbar: eine Vergewaltigung, die wahrscheinlich aus dem Jahr 2021 stammt, und jene mit dem Baseballschläger.
Dagegen legte Claudia Wuttke Beschwerde ein. Die Ermittlungen wurden schließlich für alle Taten wieder aufgenommen. Der für den 15. Juni 2026 angesetzte Prozess wurde verschoben, bis die Ermittler zu den fünfundsechzig eingestellten Fällen Schlussfolgerungen ziehen.
Dieser Fall, vom Magazin Der Spiegel aufgedeckt, erinnert an den von Gisèle Pelicot in Frankreich. Er wirft ein Schlaglicht auf eine Reform aus dem Jahr 2016, die unter Kanzlerin Angela Merkel verschärfte Gesetze gegen Sexualdelikte einführte, gleichzeitig aber in bestimmten Fällen die Verjährungsfristen verkürzte. Die Opferin fühlt sich „vom Rechtsstaat im Stich gelassen“, „furchtbar allein“ und „ohnmächtig“.
Die Information wurde von La Dépêche du Midi berichtet.
Source: Google News FR — Crime (fr)