Neue Drogenspürhunde in Berliner Gefängnissen – sechs Teams geplant

Berlin hat eine eigene Justiz-Spürhundestaffel eingeführt, um Drogen in Haftanstalten aufzuspüren. Drogenfunde stiegen seit 2019 rasant an.

Neue Drogenspürhunde in Berliner Gefängnissen – sechs Teams geplant

Justiz-Spürhundestaffel in Berliner Haftanstalten nimmt Dienst auf

Zwei Diensthunde haben den Betrieb in den Berliner Gefängnissen aufgenommen: Schäferhündin Ria und Malinoisweibchen Tara sollen künftig gemeinsam mit ihren Hundeführern Drogen in den sieben Berliner Haftanstalten aufspüren. Justizsenatorin Felor Badenberg (CDU) stellte das Projekt am Mittwoch in der Haftanstalt Tegel vor, wie tagesspiegel.de berichtet.

Die beiden Hunde haben eine dreimonatige Ausbildung bei der Berliner Polizei absolviert und wurden auf verschiedene Drogengerüche konditioniert. Insgesamt sechs Spürhundeteams sind geplant – darunter drei Datenträgerspürhunde, die versteckte Mobiltelefone aufspüren sollen.

Jahrelanger politischer Widerstand überwunden

Berlin folgt damit anderen Bundesländern. Linke und Grüne hatten in den Vorgängerkoalitionen seit 2016 eine eigene Hundestaffel wiederholt blockiert. Stattdessen mussten Polizei und Zoll mit ihren Hunden aushelfen – bis zu 56 Mal im Jahr 2023, verteilt über alle sieben Haftanstalten. CDU und SPD hatten sich im Koalitionsvertrag auf einen stärkeren „Kampf gegen Drogen im Strafvollzug" verständigt.

Zusätzlich sollen neue Drogendetektionsgeräte angeschafft werden, die auch synthetische Substanzen – sogenannte neue psychoaktive Substanzen – erkennen können. Seit 2021 ist bereits ein solches Gerät im Einsatz. Weitere Geräte sollen in Kooperation mit anderen Bundesländern gemietet werden. Die Technik funktioniert über einen Teststreifen, der über einen Gegenstand gestrichen wird; innerhalb von Sekunden liefert ein Datenbankabgleich ein Ergebnis.

Drogenfunde in Gefängnissen stark gestiegen

Die sichergestellten Mengen in den Berliner Haftanstalten sind deutlich gestiegen. 2019 wurden noch knapp vier Kilogramm Cannabis und Haschisch gefunden, 2023 bereits fast elf Kilogramm. Allein bis Ende September dieses Jahres lagen die Funde bei 10,5 Kilogramm.

Auch bei anderen Substanzen verzeichneten die Vollzugsbeamten einen Anstieg: Bei Kokain wurden in diesem Jahr bereits fast 500 Gramm sichergestellt – deutlich mehr als in den Vorjahren. Bei Amphetaminen wie Speed, Crystal Meth oder MDMA waren es im vergangenen Jahr 425 Gramm. Besonders stark gestiegen ist der Anteil synthetischer Cannabinoide.

„Wir haben gerade eine ziemliche Spice-Welle, also eine synthetische Cannabinoide-Welle, im Haus", sagte Pia Andree, Leiterin der Teilanstalt 5 in der JVA Tegel, wo rund 160 zu lebenslanger Haft verurteilte Schwerverbrecher untergebracht sind. Beliebt seien auch Schmerzmittel wie Buprenorphin und Tilidin. Die meisten Drogenfunde verzeichnete bislang die JVA Plötzensee.

Kein Straftatbestand, aber erhebliche Konsequenzen

Der Konsum von Drogen ist im Gefängnis nicht strafbar, jedoch verboten – auch Cannabis trotz der Teillegalisierung. Gefangene, die dabei erwischt werden, müssen mit Konsequenzen wie Fernsehverbot oder dem Entzug von Freigang rechnen. Hintergrund des Verbots ist neben der staatlichen Obhutspflicht vor allem die Gefängnisgewalt: Als häufigste Ursache gelten Schulden aus Drogengeschäften.

Millionenumsätze hinter Gittern

Die Gewinnspannen im Drogenhandel innerhalb der Gefängnisse sind erheblich. Bezahlt wird laut tagesspiegel.de über Dienste wie Amazon Pay, Safe Pay oder per Überweisung – abgewickelt über Mobiltelefone, die von außen in die Anstalten gelangen. In den vergangenen drei Jahren wurden in allen sieben Berliner Haftanstalten im Schnitt jeweils 1.200 Handys allein bei regulären Kontrollen sichergestellt. Die neuen Spürhundeteams sollen auch dabei helfen, diese Geräte aufzuspüren.

Source: Google News DE — Crime (de)