Hamburgerin kämpft gegen Verjährung von 65 mutmaßlichen Vergewaltigungen

Claudia Wuttke aus Hamburg erfuhr durch die Polizei, dass ihr Ex-Mann sie über 16 Jahre hinweg mutmaßlich vergewaltigt und gefilmt hatte. 65 der 67 Taten drohen zu verjähren.

Hamburgerin kämpft gegen Verjährung von 65 mutmaßlichen Vergewaltigungen

Hamburgerin kämpft gegen Verjährung von 65 mutmaßlichen Vergewaltigungen

Claudia Wuttke (59) aus Hamburg erlebte im Juni 2025 einen doppelten Schock. Zunächst zeigten ihr Polizeibeamte aus Lüneburg Videoaufnahmen, auf denen eine Frau sexuelle Gewalt durch ihren Ex-Mann erleidet. Diese Frau war sie selbst.

Die 59-Jährige erkannte sich auf den Aufnahmen als "völlig verstört, ohne eigenen Willen, unfähig zu sprechen". Sie hat keine Erinnerung an die Geschehnisse und vermutet, dass sie betäubt wurde.

Nach Recherchen des Nachrichtenmagazins Der Spiegel fanden die Ermittler auf dem Computer des Ex-Mannes 67 Videos. Diese zeigen den Mann bei sexuellen Übergriffen auf Claudia Wuttke über einen Zeitraum von 16 Jahren – während der Ehe und auch nach der Scheidung, als die beiden noch Kontakt hatten.

Nach fünf Monaten Ermittlungen erhielt Wuttke einen Brief der Staatsanwaltschaft: 65 der 67 dokumentierten Taten seien verjährt. Nur ein mutmaßliches Verbrechen aus dem Jahr 2021 und ein weiterer Fall, bei dem eine Baseballschläger verwendet wurde, könnten noch verfolgt werden. Der Prozess zu diesen beiden Fällen sollte am 15. Juni beginnen.

In Deutschland beträgt die Verjährungsfrist für Vergewaltigungen ohne erschwernde Umstände fünf Jahre. Die Ermittler konnten nicht zweifelsfrei feststellen, dass Wuttke wehrlos war – ein Umstand, der die Frist verlängern würde. "Wenn diese Frau nicht wehrlos war, wie sieht dann eine wehrlose Frau aus?", fragt Wuttke.

Die 59-Jährige fühlt sich "vom Rechtsstaat im Stich gelassen". Nach einem Einspruch wurde die Ermittlung gegen die 65 verjährenden Fälle jedoch wieder aufgenommen. Ob daraus Anklagen folgen, bleibt unklar.

Wuttke, die unter dem Pseudonym Sia Piontek Kriminalromane schreibt, hat die Unterstützungsgemeinschaft "Ungebrochen" gegründet. "Ich möchte Frauen, die das durchlebt haben, bieten, was mir selbst fehlte."

Quelle: Le Temps

Source: Le Temps