Gefangenenmeuterei in JVA Hahnöfersand: Drei Häftlinge greifen Beamte an
Drei junge Männer griffen am Pfingstsamstag Vollzugsbeamte im Jugendgefängnis Hahnöfersand an und verletzten vier davon. Die Staatsanwaltschaft Hamburg ermittelt.

Angriff auf Vollzugsbeamte im Jugendgefängnis Hahnöfersand
Die Staatsanwaltschaft Hamburg ermittelt gegen drei junge Männer wegen des Verdachts der Gefangenenmeuterei im Jugendgefängnis Hahnöfersand. Wie DER SPIEGEL (Justiz & Kriminalität) berichtet, richtet sich das Verfahren gegen einen 19-Jährigen sowie zwei 21-Jährige. Bei dem Vorfall am Pfingstsamstag wurden vier Bedienstete verletzt, zwei davon mussten im Krankenhaus behandelt werden.
Der Angriff begann, als die jungen Männer einen Bediensteten in einem Materialraum attackierten. Sie nahmen ihm den Mehrzweckeinsatzgürtel samt Anstaltsschlüssel, Handsprechfunkgerät, Handfesseln und Dienstmesser ab und fesselten ihn anschließend, so ein Sprecher der Justizbehörde.
Mit dem entwendeten Schlüssel verschaffte sich einer der Gefangenen Zugang zu einer anderen Station und attackierte dort einen weiteren Bediensteten mit dem Dienstmesser. Dieser Beamte blieb unverletzt und konnte noch rechtzeitig Alarm auslösen. Hinzugeeilte Kollegen brachten die Situation unter Kontrolle.
Zur gleichen Zeit hatten sich die beiden anderen Gefangenen mit abgebrochenen Tischbeinen bewaffnet und einen weiteren Bediensteten verletzt. Auch diese Lage wurde von nachrückenden Beamten deeskaliert. Die drei Häftlinge ließen sich schließlich mit auf den Rücken gefesselten Händen widerstandslos festnehmen. Als die Polizei eintraf, war die Lage bereits unter Kontrolle; alle entwendeten Gegenstände wurden sichergestellt.
Das Dienstmesser, das Vollzugsbeamte standardmäßig tragen, dient dazu, im Fall eines Suizidversuchs eines Insassen Strangulationsmittel schnell durchtrennen zu können.
Das Motiv für den Angriff ist laut dem Behördensprecher noch unklar und Gegenstand der laufenden Ermittlungen. Ein Ausbruchsversuch gilt als wenig wahrscheinlich. Hamburger Medien hatten über einen möglichen Racheakt berichtet – die Häftlinge sollen versucht haben, einen Mitgefangenen zu „lynchen". Alle beteiligten Gefangenen wurden in andere Hafteinrichtungen verlegt.
Der Sprecher betonte, dass vergleichbare Vorfälle, bei denen Gefangene gemeinschaftlich gewalttätig gegen Bedienstete vorgegangen sind, in Hahnöfersand bisher nicht vorgekommen seien. Die für den Betrieb erforderliche Personalstärke sei am Vorfallstag gewährleistet gewesen. Die Behörde prüft mögliche Konsequenzen aus dem Geschehen.
Die Justizvollzugsanstalt Hahnöfersand liegt auf der gleichnamigen Elbinsel in der niedersächsischen Gemeinde Jork, steht jedoch unter Hamburger Leitung. Die Einrichtung verfügt über 176 Haftplätze sowie 20 Arrestplätze. Zu den Insassen zählt auch der mutmaßliche Pädokriminelle, der unter dem Pseudonym „White Tiger" Kinder im Internet zu sexuellen Handlungen und Selbstverletzungen bis hin zum Suizid getrieben haben soll.