Sechs Tote nach Schüssen in Stader Jugendhilfeeinrichtung – Haftbefehl erlassen
Ein 45-Jähriger erschoss am Montag in Stade sechs Mitarbeitende von Jugendämtern. Die Staatsanwaltschaft Hannover prüft Mordmerkmale der Heimtücke.

Haftbefehl nach Schüssen in Stade: Staatsanwaltschaft sieht Heimtücke und niedrige Beweggründe
Nach der tödlichen Schießerei in einer Jugendhilfeeinrichtung in Stade hat das Amtsgericht Stade am Dienstag einen Haftbefehl gegen den 45-jährigen Tatverdächtigen erlassen. Wie Google News DE — Crime (de) berichtet, war der Mann bereits am Montag auf der Flucht vom Tatort festgenommen worden.
Bei der eingesetzten Waffe handelt es sich laut Ermittlungen um eine Beretta Modell 70. Der Verdächtige soll die Pistole am Kurfürstendamm erworben und für sie sowie 21 Schuss Munition zusammen rund 4.000 Euro bezahlt haben.
Staatsanwaltschaft erklärt Zeitaufwand beim Haftbefehl
Die Staatsanwaltschaft Hannover hat sich zum zeitlichen Ablauf der Haftbefehlsbeantragung geäußert. Bevor ein Haftbefehl beantragt werden könne, müssten alle bis dahin ermittelten Informationen schriftlich vorliegen, erklärte eine Sprecherin gegenüber NDR Niedersachsen. Dafür seien „umfangreiche Spuren und Ermittlungsmaßnahmen durchzuführen und auszuwerten". Da das Verfahren aufgrund der Opferanzahl, der Einsatzlage sowie der Aufklärung der Abläufe und Hintergründe sehr umfangreich sei, habe die Prüfung „entsprechende Zeit" benötigt.
Aus diesem Grund sei auch eine Mordkommission eingerichtet worden, die seit Mittwoch mit dem Fall befasst ist. Die Staatsanwaltschaft sieht nach eigenen Angaben insbesondere die Mordmerkmale der Heimtücke und der niedrigen Beweggründe als erfüllt an.
Sechs Mitarbeitende erschossen, Mutter und Tochter unverletzt
Der Verdächtige soll am Montag bei einem Termin in der Jugendhilfeeinrichtung in Stade drei Mitarbeitende des Jugendamtes der Region Hannover sowie drei Beschäftigte der Einrichtung erschossen haben. Die ebenfalls anwesende Mutter und die gemeinsame Tochter blieben unverletzt. Innenministerin Behrens bezeichnete die Tat als „kaltblütige Gewalttat".
Rolle zweier Frauen weiterhin Gegenstand der Ermittlungen
Wie genau die Tat ablief und welche Hintergründe sie hat, wird laut Staatsanwaltschaft weiterhin ermittelt. Unklar ist unter anderem, welche Rolle die Mutter des Kindes sowie eine 65-jährige Frau gespielt haben, die sich selbst als Patentante der Tochter bezeichnet. Eine mögliche Beteiligung der beiden Frauen an der Tat sei Gegenstand der Ermittlungen, so die Sprecherin. Derzeit bestehe kein dringender Tatverdacht gegen sie, weshalb keine Haftbefehlsanträge gestellt worden seien.
Die 65-Jährige soll den 45-Jährigen zu dem Termin gefahren und ihn nach der Tat im Fluchtauto transportiert haben. Drei Tage vor der Tat hatte sie sich schriftlich an den NDR und weitere Medienhäuser gewandt, um ihre Sichtweise zur Vorgeschichte der Familie darzulegen.
„Ob und welcher Tatvorwurf angeklagt wird, kann erst nach Abschluss der Ermittlungen entschieden werden", sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft.
Kind vor der Tat im Krankenhaus
Nach NDR-Recherchen war die Tochter des Verdächtigen vor der Gewalttat im Krankenhaus. Ärzte hätten dort ein Schütteltrauma vermutet. Das Betreuungsteam der Getöteten ist zur Trauerbewältigung vorerst freigestellt worden. Vertreter der Region haben auf eine zunehmende Gewaltbereitschaft gegenüber Sozialarbeitenden hingewiesen.
Für Betroffene sind Pastoren, die Telefonseelsorge sowie das Opferhilfebüro erreichbar.
Source: Google News DE — Crime (de)