Mordfall Fabian: Nachbar schildert abgesprochenes Alibi und Besuch an der Leiche

Ein 58-jähriger Nachbar belastet Gina H. im Rostocker Mordprozess schwer: Er war vor der Polizei an der Leiche und soll ein Alibi mit ihr abgesprochen haben.

Mordfall Fabian: Nachbar schildert abgesprochenes Alibi und Besuch an der Leiche

Nachbar stand vor der Polizei an Fabians Leiche – und sprach Alibi ab

Im Prozess um den mutmaßlichen Mord an dem achtjährigen Fabian aus Güstrow hat ein 58-jähriger Nachbar der Angeklagten am Dienstag vor der 3. Strafkammer des Landgerichts Rostock schwer belastende Aussagen gemacht. Wie ndr.de berichtet, schilderte der Zeuge, dass er in jener Nacht gemeinsam mit Gina H. an dem Tümpel bei Klein Upahl (Landkreis Rostock) war – an dem der Leichnam des Jungen einen Tag später offiziell von der Polizei entdeckt wurde. Beide hätten neben dem toten Kind gestanden.

Als er mit einer Taschenlampe in das Gesicht geleuchtet habe, sei Gina H. sicher gewesen, dass es Fabian war. Eine emotionale Reaktion zeigte sie dabei nicht. „Weinen, schreien, Bestürzung?", hakte der Vorsitzende Richter nach. Die Antwort des Zeugen: „Nichts." Wenig später in derselben Nacht habe sie gelacht – und erklärt, sie habe schon so viel geweint, dass ihr das nicht mehr möglich sei.

Dreimal am mutmaßlichen Tatort – vor der offiziellen Entdeckung

Der Besuch mit dem Nachbarn war nicht Gina H.s erster Gang zum Tümpel. Bereits am selben Abend, drei Tage nach dem Verschwinden Fabians am 10. Oktober 2025, war die 30-Jährige mit einem anderen Bekannten dort gewesen. Da dieser nicht sicher war, ob sie Fabian tatsächlich gefunden hatten, habe sie ihn anschließend mit zum Tümpel genommen, so der Nachbar. Am nächsten Morgen meldete Gina H. gemeinsam mit einer Freundin der Polizei, sie habe den Jungen zufällig bei einem Spaziergang entdeckt. Diese Freundin soll am Donnerstag als Zeugin gehört werden.

Der Nachbar gab an, obwohl er sicher war, einen toten Menschen gesehen zu haben, nicht zur Polizei gegangen zu sein. Er habe befürchtet, dass ihm niemand glauben würde, und wollte die Nacht darüber schlafen.

Alibi für die Tatzeit abgesprochen

Besonders schwer wiegt ein weiterer Vorwurf: Gina H. soll mit dem Nachbarn gezielt für jene Zeiträume ein Alibi vereinbart haben, in denen Fabian den Ermittlungen zufolge am 10. Oktober getötet und seine Leiche später angezündet worden sein soll. Die Staatsanwaltschaft hob hervor, dass die Angeklagte dieses Alibi zu einem Zeitpunkt arrangierte, als Fabian noch gesucht und sein Tod noch nicht bekannt war.

Der Zeuge erklärte, er habe sich an den betreffenden Tag nicht mehr erinnern können und sei deshalb dankbar gewesen, als Gina H. ihm half, sich an die angeblich gemeinsam verbrachten Stunden zu erinnern. In den Wochen bis zu ihrer Verhaftung habe sie ihn wiederholt gedrängt, bei der Absprache zu bleiben. „Wenn du was sagst, was nicht passt, dann kommen die und holen mich weg", soll sie ihm gesagt haben.

Turnschuhe und ein verschwundenes Messer

Wenige Tage nach dem Fund der Leiche brachte Gina H. dem Nachbarn vier Paar ihrer Turnschuhe und bat ihn, diese beiseitezustellen. „Sie sollten wohl bei ihr nicht gefunden werden", vermutete der Zeuge, der nach eigenen Angaben damals noch hoffte, dass sie mit dem Fall nichts zu tun hatte. Kurz darauf brachte er die Schuhe zurück: „Das war mir zu heiß." Schuhabdrücke dieser Marke wurden auch am Tümpel bei Klein Upahl gesichert.

Zudem vermisste der Nachbar ein Messer aus seinem Schuppen. Eine gemeinsame Suche mit Gina H. blieb zunächst erfolglos. Nach seiner Mittagspause fand er das Messer in einer Werkzeugkiste, die er zuvor intensiv durchsucht hatte – und meldete den Vorfall der Polizei, um sich selbst abzusichern. Die Klinge ist zehn Zentimeter lang; mit einem Messer dieser Größe soll auch Fabian erstochen worden sein. Am Messer des Nachbarn wurden jedoch keine Spuren gefunden.

Alibi bröckelt, Kontakt abgebrochen

Irgendwann änderte der Nachbar seine Aussage bei der Polizei und korrigierte die Zeitangaben, wann er mit Gina H. zusammen gewesen war. Ihm seien zunehmend Ungereimtheiten aufgefallen, und die Ermittler hätten ihm mit ihren Ergebnissen auf die Sprünge geholfen. Als Gina H. festgenommen wurde, brach er den Kontakt zu ihr ab. „So eine Festnahme kommt nicht ohne Grund", begründete der Zeuge seine Entscheidung.

Hintergrund des Verfahrens

Gina H. war vier Jahre lang die Lebensgefährtin von Fabians Vater, der sich im August 2025 von ihr getrennt hatte. Die Staatsanwaltschaft wirft ihr heimtückischen Mord vor: Sie soll Fabian aus der Wohnung seiner Mutter in Güstrow gelockt, ihn bei Klein Upahl erstochen und die Leiche angezündet haben. Als Motiv vermuten die Ermittler, dass Gina H. den Jungen als Hindernis für eine Wiederannäherung an seinen Vater betrachtete.

Vor Gericht schweigt die Angeklagte bislang zu den Vorwürfen. Der Prozess hatte im April begonnen und wird voraussichtlich bis in den September hinein dauern.

Source: Google News DE — Crime (de)