Mordprozess Rostock: Verschwundenes Campingmesser und belastende Telefonate belasten Angeklagte

Im Mordprozess um den achtjährigen Fabian sagte Nachbar Olaf K. über ein verschwundenes Messer und abgehörte Telefonate mit Angeklagter Gina H. aus.

Mordprozess Rostock: Verschwundenes Campingmesser und belastende Telefonate belasten Angeklagte

Zeuge berichtet von verschwundenem Messer und Alibi-Absprachen mit Gina H.

Am zwölften Verhandlungstag am Landgericht Rostock hat der Zeuge Olaf K. fast sechs Stunden lang ausgesagt — über ein Messer, das plötzlich verschwunden und ebenso rätselhaft wieder aufgetaucht war, und über Telefonate, in denen die Angeklagte Gina H. ihn offenbar zur Alibi-Absprache drängte. Das berichtet BILD.

Der achtjährige Fabian war am 10. Oktober 2025 ermordet worden. Olaf K., gebürtiger Sachse und seit 2020 direkter Nachbar von Gina H., bemerkte zwölf Tage nach dem Verschwinden des Jungen, dass sein altes Campingmesser fehlte. Gewöhnlich habe es im Tor seines Schuppens gesteckt und für alltägliche Arbeiten gedient. Als er das bemerkte, war bereits bekannt, dass Fabian durch mehrere Messerstiche getötet worden war. Er fürchtete, selbst in den Verdacht zu geraten.

Messer taucht in Karton auf — ohne Blutspuren

Gemeinsam mit Gina H. suchte Olaf K. nach dem Messer. Die beiden durchkämmten nach seinen Angaben alles — darunter auch einen Pappkarton, in dem das Messer zuvor nie gelegen hatte. Als er später am Nachmittag erneut nachsah, lag es genau dort. Er übergab das Campingmesser daraufhin der Polizei.

Ein Gerichtsmediziner hatte im Prozess bereits ausgesagt, die Tatwaffe sei höchstwahrscheinlich ein einschneidiges Messer mit einer Klingenlänge von zehn bis 15 Zentimetern gewesen. Das Messer von Olaf K. hat eine Klinge von etwa zehn Zentimetern. Zwei Untersuchungen ergaben jedoch keine Blut- oder DNA-Spuren.

Abgehörte Telefonate: Alibi-Absprache bereits einen Tag nach der Tat

Vor Gericht wurden außerdem abgehörte Telefongespräche zwischen Olaf K. und Gina H. abgespielt. Darin drängte die Angeklagte ihn bereits einen Tag nach der Tat dazu, Alibis für den Tattag abzusprechen — zu einem Zeitpunkt, als offiziell noch niemand wusste, dass Fabian tot war.

Olaf K. schöpfte nach eigenen Angaben dennoch keinen Verdacht. Er betonte vor Richter Holger Schütt immer wieder: „Ich konnte diese beiden Sachen nie zusammenbringen, dass sie was mit dem, was passiert ist, zu tun hat."

Die Beziehung zwischen den beiden Nachbarn war eng. Olaf K. half ihr im Alltag, kaufte ihr regelmäßig Kleinigkeiten und hatte sie sogar als Begünstigte seiner Unfallversicherung eingetragen. Gelegentlich habe sie ihm freizügige Bilder geschickt. Heute glaube er, sie habe ihn damit bei Laune halten wollen.

Gemeinsamer Ausflug zum Fundort in der Nacht

Am Abend des 13. Oktober 2025 fuhr Gina H. gemeinsam mit Olaf K. zu der Stelle, an der Fabians Leiche lag. Kurz zuvor hatte sie den Ort bereits mit ihrem Bekannten Christian D. aufgesucht. Olaf K. packte eine Taschenlampe ein, beide fuhren mit seinem Auto los.

Während der Fahrt schaltete Gina H. ihr Mobiltelefon aus — für ihn ungewöhnlich, wie er aussagte, ohne es jedoch zu hinterfragen. Am Fundort leuchtete er dem toten Jungen ins Gesicht. Er habe Fabian nicht erkannt; Gina H. dagegen habe ihn sofort identifiziert.

Auf dem Rückweg fragte sie, ob sie die Polizei rufen solle. Seine Antwort laut eigener Aussage: „Was willst du der Polizei erzählen? Du bist mitten in der Nacht an der Suhle am Arsch der Welt? Was willst du denen erzählen?" Zu Hause angekommen habe Gina H. gelacht und erklärt, sie habe in den vergangenen Tagen so viel geweint, dass sie nicht mehr könne.

„Ich bete zu Gott, dass die keine Kameras dort haben"

In weiteren abgehörten Telefonaten sprach Gina H. wiederholt über mögliche Wildkameras in der Nähe des Fundorts. „Ich bete zu Gott, dass die keine Kameras dort haben", soll sie laut den vorgespielten Aufnahmen gesagt haben. Olaf K. versuchte sie zu beruhigen: „Wenn du nicht mit drinsteckst, musst du dir keine Gedanken machen."

Als Gina H. am 6. November 2025 festgenommen wurde, brach Olaf K. den Kontakt zu ihr endgültig ab. Der Prozess wird am 18. Juni fortgesetzt.

Source: BILD