Berliner Palliativarzt wegen 15-fachem Mord verurteilt – 76 weitere Fälle offen

Ein Berliner Landgericht hat einen deutschen Arzt wegen des Mordes an 15 Patienten schuldig gesprochen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt in 76 weiteren Fällen.

Berliner Palliativarzt wegen 15-fachem Mord verurteilt – 76 weitere Fälle offen

Arzt tötete Patienten mit Medikamentengemisch – Berliner Gericht spricht 15-fach schuldig

Ein Berliner Palliativarzt ist vom Landgericht Berlin wegen 15-fachen Mordes verurteilt worden. Wie SRF berichtet, verabreichte der Mediziner zwischen 2021 und 2024 zwölf Frauen und drei Männern jeweils ein tödliches Gemisch aus verschiedenen Medikamenten. Das jüngste Opfer war 25 Jahre alt, das älteste 94. Alle Betroffenen litten an schweren Krankheiten, ihr Tod stand jedoch nicht unmittelbar bevor.

Das Gericht folgte mit seinem Urteil dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Die Verteidigung hatte sich gegen die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld sowie gegen eine anschliessende Sicherungsverwahrung ausgesprochen.

Nach monatelangem Schweigen hatte der Arzt am 25. Juni überraschend gestanden, zwölf schwer kranke Patientinnen und Patienten bei Hausbesuchen getötet zu haben. In seiner Erklärung gab er an, er habe sich eingeredet, das Richtige zu tun und den Patienten «Leid und Siechtum» zu ersparen. Zum Abschluss des Prozesses entschuldigte er sich erneut bei den Hinterbliebenen.

Der verheiratete Arzt, Vater eines Grundschulkindes, sitzt seit Anfang August 2024 in Untersuchungshaft. Auslöser der Ermittlungen waren Brände, die er gelegt haben soll, um die Tötungen zu verdecken. Zunächst ermittelten die Behörden wegen Brandstiftung mit Todesfolge.

Hinweise des Pflegedienstes, für den der Beschuldigte gearbeitet hatte, rückten ihn laut Staatsanwaltschaft zunehmend in den Fokus. Das Berliner Landeskriminalamt richtete eine Ermittlungsgruppe des Morddezernats ein, die Hunderte von Patientenunterlagen auswertete. Im April 2025 erhob die Staatsanwaltschaft schliesslich Anklage in 15 Fällen gegen den in Frankfurt am Main geborenen Mann, den Patienten, Angehörige und Kollegen als einfühlsam beschrieben hatten.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt nach eigenen Angaben in 76 weiteren Fällen und geht von einer weiteren Anklage noch in diesem Jahr aus. In seinem letzten Wort vor Gericht kündigte der Arzt an: «Ich werde mich in dem kommenden Verfahren deutlich früher einlassen.» Der Fall könnte einer der grössten seiner Art in Deutschland werden.

Source: SRF