Prozess um getöteten Zugbegleiter Serkan Çalar: Familie will sein Gesicht zeigen

Im Prozess um den todgeprügelten Zugbegleiter Serkan Çalar setzt sich die Familie dafür ein, dass das Opfer im Mittelpunkt steht – nicht nur der mutmaßliche Täter.

Prozess um getöteten Zugbegleiter Serkan Çalar: Familie will sein Gesicht zeigen

Prozess um getöteten Zugbegleiter: Familie will sein Gesicht zeigen

Wenn Eray Çalar heute Züge an der Bahnstrecke vor seinem Elternhaus in Ludwigshafen vorbeifahren sieht, empfindet er das als Qual. Früher rief sein älterer Bruder Serkan manchmal an und sagte: "In dem Zug gleich bin ich drin." Heute bricht es ihrer Mutter das Herz, wenn sie vorbeifahrende Waggons sieht. "Sie denkt dann daran, dass ihr Sohn in einen Zug eingestiegen ist und einfach nicht mehr zurückkam", erzählt Eray Çalar.

Serkan Çalar war Zugbegleiter bei der Deutschen Bahn. Im Februar dieses Jahres wurde er bei einer Fahrkartenkontrolle in Rheinland-Pfalz von einem schwarzfahrenden Passagier zusammengeschlagen und erlag später seinen Verletzungen. Der mutmaßliche Täter steht seit Kurzem vor Gericht in Zweibrücken.

Die Familie will, dass das Opfer im Mittelpunkt steht – nicht nur der Angeklagte. Sie möchten, dass alle wissen, wer Serkan war: ein 36-jähriger Mann, der seinen Job ausübte und dafür mit dem Leben bezahlte. Seine Angehörigen setzen sich dafür ein, dass die Öffentlichkeit das Gesicht des Verstorbenen sieht und nicht nur den mutmaßlichen Täter.

Der Fall hat bundesweit Entsetzen ausgelöst und die Debatte über Gewalt gegen Bahnmitarbeiter neu entfacht. Wie viele Kollegen hatte auch Serkan Çalar schon zuvor negative Erfahrungen mit aggressiven Fahrgästen gemacht.

Quelle: Süddeutsche Zeitung

Source: Süddeutsche Zeitung