Zehn Jahre nach brutaler Attacke: Busfahrer wegen versuchten Mordes vor Gericht

Ein in der Türkei festgenommener Mann muss sich vor dem Landgericht München für eine Prügelattacke von 2015 verantworten. Zwei Komplizen waren bereits verurteilt worden.

Zehn Jahre nach brutaler Attacke: Busfahrer wegen versuchten Mordes vor Gericht

Zehn Jahre nach brutaler Attacke: Busfahrer wegen versuchten Mordes vor Gericht

Am Landgericht München I hat ein Schwurgericht den Prozess gegen einen 34-jährigen Angeklagten eröffnet. Der Mann soll vor über einem Jahrzehnt an einem tödlichen Überfall auf einen Gastwirt beteiligt gewesen sein.

Der heute 34-Jährige wurde im Sommer vergangenen Jahres in der Türkei gefasst. Zuvor verdiente er in Georgien seinen Lebensunterhalt als Busfahrer. Ihm wird zur Last gelegt, in der Nacht vom 4. Februar 2015 gemeinsam mit einer Gruppe von mindestens fünf weiteren Personen den damals 41-jährigen Betreiber einer Schankwirtschaft in der Maxvorstadt vor dessen Haustür in Obergiesing angegriffen und schwer verletzt zu haben.

Den Ermittlungen zufolge hatte sich der Konflikt bereits im Januar 2015 in einem Café zugespitzt. Dort geriet der Onkel des Angeklagten mit dem späteren Opfer in eine körperliche Auseinandersetzung. Beide zogen sich dabei schwere Blessuren zu. Die Familie des Onkels empfand dies als Ehrenkränkung und beschloss nach Ansicht der Staatsanwaltschaft, Rache zu nehmen.

Gegen 23 Uhr am Tat-Abend wartete die Gruppe dem Anklagevorwurf zufolge auf den Wirt. Nachdem sein Taxi die Adresse verlassen hatte, sollen vier der Angreifer das Opfer umzingelt und ohne jede Vorwarnung mit Baseballschlägern und Holzprügeln zu Boden geschlagen haben. Danach traten und schlugen sie den Wehrlosen noch mindestens 17 Mal. Der Mann erlitt ein offenes Schädel-Hirn-Trauma, einen Bruch der Schädeldecke und eine Verletzung des Gehirns. Bis heute leidet er unter den Spätfolgen; sein Grad der Behinderung liegt bei 37 Prozent.

Bereits im März 2016 standen drei mutmaßliche Komplizen vor Gericht. Zwei erhielten wegen versuchten Totschlags Haftstrafen von elf und elfeinhalb Jahren. Der Onkel des jetzigen Angeklagten wurde freigesprochen. Gegen den Neffen erging ein europäischer Haftbefehl, der erst nach zehn Jahren zur Festnahme führte.

Zu Beginn der Verhandlung am Montag äußerte sich der Beschuldigte nicht zu den Anschuldigungen. Die Richter erwarten ein Urteil für Mitte August.

Quelle: Süddeutsche Zeitung

Source: Süddeutsche Zeitung