Schockanruf-Falle im Kreis Paderborn: 32-jähriger Bulgare in U-Haft

Ein 87-Jähriger und sein Sohn überlisteten einen Telefonbetrüger – die Polizei nahm den Abholer vor Ort fest. Der Tatverdächtige sitzt nun in Untersuchungshaft.

Schockanruf-Falle im Kreis Paderborn: 32-jähriger Bulgare in U-Haft

Festnahme nach Schockanruf: Familie stellt Falle für falschen Polizeibeamten

Ein 32-jähriger Bulgare aus Kassel sitzt in Untersuchungshaft, nachdem er am Montagnachmittag, 15. Juni, im Kreis Paderborn beim Abholen einer präparierten Tasche von der echten Polizei gestellt wurde. Wie radiohochstift.de berichtet, war dem Einsatz ein koordiniertes Täuschungsmanöver der Familie des anvisierten Opfers vorausgegangen.

Der Anruf und die Gegenmasche

Gegen 16.05 Uhr erhielt ein 87-Jähriger einen Anruf von einer anonymen Nummer. Da solche Anrufe in letzter Zeit bereits mehrfach eingegangen waren, übernahm sein ebenfalls anwesender 66-jähriger Sohn das Gespräch und gab sich als sein Vater aus.

Am Telefon meldete sich ein falscher Polizeibeamter. Dieser schilderte, eine Verbrecherbande habe in der Nähe des Wohnhauses bereits mehrere Einbrüche verübt. Zwei Täter seien gefasst, ein dritter sei nun auf dem Weg zur Wohnanschrift. Um auch diesen festnehmen zu können, solle der 87-Jährige seine Wertsachen vor der Haustür deponieren – als Lockmittel. Ein angeblicher Staatsanwalt meldete sich abwechselnd ebenfalls am Telefon.

90 Minuten am Apparat – parallel alarmierte Polizei

Der 66-Jährige erkannte die Betrugsmasche sofort, hielt den falschen Beamten aber bewusst im Gespräch. Andere Familienmitglieder alarmierten währenddessen die echte Polizei, die zeitnah beim Haus eintraf.

Nach 90 Minuten gab der Anrufer das Signal: Die Wertsachen könnten nun vor dem Haus abgelegt werden. Der 87-Jährige hatte zu diesem Zeitpunkt wertlose Gegenstände verpackt und legte diese vor der Tür ab.

Festnahme um 18.20 Uhr

Gegen 18.20 Uhr erschien der 32-Jährige und nahm die Tasche an sich. Als er sich vom Ort entfernen wollte, stellte ihn die Polizei. Bei dem Mann fanden die Beamten einen Schlagstock. In seinem in einer Nebenstraße geparkten Fahrzeug entdeckten sie zudem eine Schreckschusspistole sowie Überweisungsbelege im mittleren vierstelligen Bereich für Konten in der Türkei und in Bulgarien.

Der Tatverdächtige wurde festgenommen und auf Antrag der Staatsanwaltschaft Paderborn einem Haftrichter vorgeführt, der die Untersuchungshaft anordnete.

Polizei warnt seit zwei Jahren vor Telefonbetrug

Die Polizei Paderborn weist im Zusammenhang mit dem Fall auf ihre laufende Präventionskampagne „Geschockt am Telefon? Auflegen!" hin, die seit zwei Jahren regelmäßig über diese Betrugsform informiert. Betroffene sollten Gespräche mit vermeintlichen Polizeibeamten, Staatsanwälten oder Bankmitarbeitern sofort beenden, da diese Täter geschult seien und auch misstrauische Personen in die Irre leiten könnten.

Die Polizei empfiehlt: Auflegen, Angehörige informieren und die echte Polizei über den Notruf 110 kontaktieren. Angehörige sollten zudem ältere Familienmitglieder regelmäßig über Telefonbetrug aufklären. Weitere Informationen zur Kampagne sind auf der Homepage der Polizei Paderborn unter paderborn.polizei.nrw abrufbar.

Source: Google News DE — Crime (de)