Oldenburg: Anklage gegen Beamten nach tödlichem Polizeischuss zugelassen

Ein Gericht in Oldenburg hat die Anklage gegen einen 28-jährigen Polizisten wegen fahrlässiger Tötung anerkannt. Der Beamte erschoss im April 2024 den 21-jährigen Lorenz A. bei einem Einsatz in der Innenstadt.

Oldenburg: Anklage gegen Beamten nach tödlichem Polizeischuss zugelassen

Oldenburg: Anklage gegen Beamten nach tödlichem Polizeischuss zugelassen

Die 4. Große Strafkammer am Landgericht Oldenburg hat die Anklage gegen einen 28-jährigen Polizisten wegen fahrlässiger Tötung anerkannt. Der Beamte hatte am 20. April 2024 bei einem Einsatz in der Innenstadt mehrfach auf den 21-jährigen Lorenz A. gefeuert, der daran starb.

Nach einem Streit in der City war der junge Mann vor den eingetroffenen Beamten geflohen. Dabei hatte er Reizgas eingesetzt. Der nun angeklagte Polizist eröffnete daraufhin das Feuer auf den Flüchtenden. Die Staatsanwaltschaft erhob im November Anklage und wirft dem Beamten vor, die tödlichen Schüsse im Rücken des 21-Jährigen abgegeben zu haben, obwohl keine akute Notwehrlage mehr bestand. Nach Auffassung der Ermittler hätte der Täter erkennen müssen, dass sein Opfer nur entkommen wollte.

Das Gericht folgte dieser Einschätzung in seiner vorläufigen Prüfung. Die Kammer geht davon aus, dass der Beamte fälschlicherweise annahm, sich in Notwehr zu befinden. Ein ausreichender Verdacht für fahrlässige Tötung bestehe, nicht jedoch für Totschlag oder Mord. Die Kugeln seien in einem extrem schnell ablaufenden Geschehen innerhalb kürzester Zeit auf den von hinten Fliehenden abgefeuert worden, teilte das Gericht mit. Die genauen Umstände sollen im Hauptverfahren geklärt werden. Ein Termin für den Prozess steht noch nicht fest.

Der Tod des jungen Mannes löste in Oldenburg und bundesweit Proteste aus. Menschen demonstrierten gegen rassistische Polizeigewalt. Die Bürgerinitiative "Gerechtigkeit für Lorenz" macht Rassismus für den Tod verantwortlich. Im vergangenen Jahr kamen bei Einsätzen der Polizei mindestens 16 Personen in Deutschland ums Leben. Laut Experten landen nur rund zwei Prozent dieser Vorfälle vor einem Gericht.

Quelle: NDR.de

Source: Google News DE — Crime (de)