Cyberangriff auf Abrechnungsfirma: Patientendaten aus Dutzenden Kliniken gestohlen
Unbekannte haben Mitte April den Abrechnungsdienstleister Unimed attackiert und Daten von Zehntausenden Patienten erbeutet. Kliniken von Kiel bis Freiburg sind betroffen.

Angriff auf Unimed trifft Krankenhäuser bundesweit
Wie Tagesschau berichtet, haben unbekannte Angreifer Mitte April die IT-Systeme der saarländischen Abrechnungsfirma Unimed attackiert und dabei sensible Patientendaten aus Kliniken im gesamten Bundesgebiet entwendet. Das vollständige Ausmaß des Datenlecks wurde laut SWR erst am 18. Mai festgestellt – mehr als einen Monat nach dem Angriff.
Unimed ist ein Dienstleister, der für Krankenhäuser die Abrechnung gegenüber Patienten übernimmt. Das Unternehmen teilte mit, der Angriff sei nach kurzer Zeit abgewehrt worden und man sei inzwischen wieder uneingeschränkt arbeitsfähig. Zusammen mit externen Experten sei das System nach dem Vorfall gesichert worden.
Welche Kliniken sind betroffen?
Die Zahl der betroffenen Patienten ist erheblich. Allein die Uniklinik Köln meldete 30.000 betroffene Personen. Die Universitätskliniken Freiburg, Ulm, Heidelberg und Tübingen zählten gemeinsam mehr als 72.000 betroffene Patienten. Am Universitätsklinikum Düsseldorf wurden über 3.000 Fälle gemeldet, am UKE in Hamburg mehr als 5.000. Das UKSH in Kiel sowie die Mainzer Universitätsmedizin mit maximal 2.764 Betroffenen gehören ebenfalls zu den geschädigten Einrichtungen. Das Universitätsklinikum des Saarlandes registrierte rund 1.200 Fälle.
Laut Unimed wurden ausschließlich Daten von Privatpatienten und Selbstzahlenden abgegriffen. Die Wissenschaftsministerin von Baden-Württemberg, Petra Olschowski (Grüne), wies jedoch darauf hin, dass auch gesetzlich Versicherte betroffen sein können, sofern sie für bestimmte Leistungen eine Zusatzversicherung abgeschlossen haben.
Welche Daten wurden gestohlen?
Das Universitätsklinikum des Saarlandes erklärte, die Angreifer hätten Stammdaten wie Name, Anschrift und Geburtsdatum abrufen können. In Teilen sei es ihnen auch gelungen, Rechnungsunterlagen einzusehen und damit Informationen über Erkrankungen zu erbeuten. Ähnliche Daten wurden nach Klinikangaben auch von Hunderten UKE-Patienten abgegriffen.
Unimed geht davon aus, dass die Angreifer ursprünglich eine vollständige Verschlüsselung der Systeme geplant hatten. Dieses Ziel habe nicht erreicht werden können, jedoch seien vor der Abwehr bereits Daten abgeflossen.
Die zuständige Datenschutzbehörde sowie das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) wurden laut der Uniklinik Freiburg am 16. April 2026 informiert.
Was raten Experten Betroffenen?
Das BSI empfiehlt betroffenen Patienten, E-Mails, Anrufe und andere Kontaktaufnahmen kritisch zu prüfen. Kriminelle versuchten häufig, ihre Opfer unter Druck zu setzen und zu vorschnellen Handlungen zu verleiten. Im Zweifelsfall solle direkt die behandelnde Klinik kontaktiert werden.
Sebastian Schinzel, Professor für Elektrotechnik und Informatik an der FH Münster, warnte, dass Cyberkriminelle erbeutete Daten häufig im Darknet verkaufen. Das BSI hob zudem hervor, dass mit den gestohlenen Informationen sehr zielgerichtete Phishing-Mails oder Erpressungsversuche möglich seien.
Source: Tagesschau