Messerangriff auf Herdecker Bürgermeisterin: Adoptivtochter angeklagt
Die Staatsanwaltschaft Hagen hat die 17-jährige Adoptivtochter von Iris Stalzer wegen gefährlicher Körperverletzung angeklagt. Der Angriff ereignete sich kurz nach Stalzers Wahl zur Bürgermeisterin.

Anklage nach Messerangriff auf Bürgermeisterin Stalzer in Herdecke
Gut acht Monate nach einem schweren Messerangriff auf die Bürgermeisterin von Herdecke, Iris Stalzer, hat die Staatsanwaltschaft Hagen deren 17-jährige Adoptivtochter wegen gefährlicher Körperverletzung angeklagt. Das berichtet die Frankfurter Allgemeine Zeitung.
Der Angriff ereignete sich am 7. Oktober, kurz nach Stalzers Wahl zur Bürgermeisterin. Die Nachricht verbreitete sich damals rasch bundesweit. Da ein politisches Motiv zunächst nicht ausgeschlossen werden konnte, bekundete auch Kanzler Friedrich Merz (CDU) auf der Plattform X seine Anteilnahme.
Bereits früh verdichteten sich jedoch Hinweise auf einen schweren Fall häuslicher Gewalt. Laut Anklageschrift soll die Jugendliche ihre Mutter im elterlichen Haus über Stunden bedroht und gequält haben. Konkret wirft die Staatsanwaltschaft ihr vor, Stalzer mit zwei Messern mehrere Stiche versetzt, ihr mit einem Gegenstand gegen den Kopf geschlagen und ihr dabei das Nasenbein gebrochen zu haben.
Eine Tötungsabsicht erkannte die Staatsanwaltschaft bei der Jugendlichen nicht. Zu ihren Gunsten werteten die Ermittler den Umstand, dass sie selbst den Notruf gewählt habe. Eigene Einlassungen zu den Vorwürfen hat die Beschuldigte bislang nicht gemacht.
Zu einem möglichen Tatmotiv äußerte sich die Staatsanwaltschaft unter Hinweis auf das jugendliche Alter der Beschuldigten nicht. Aus Polizeikreisen war bereits im Oktober verlautet, dass es in der Familie seit Längerem Konflikte gegeben habe. Mutter und Kinder sollen sich gegenseitig häuslicher Gewalt beschuldigt haben. Nach ihrer Festnahme war die Jugendliche vorübergehend in einer psychiatrischen Einrichtung untergebracht worden; ein Gutachter stufte sie dort als schuldfähig ein.
Die 58-jährige Stalzer erholte sich körperlich rasch von den Verletzungen und konnte ihr Amt in der 23.000-Einwohner-Stadt am südöstlichen Rand des Ruhrgebiets rund vier Wochen nach der Attacke antreten. In ihrer Antrittsrede bezeichnete sie den 7. Oktober als „einen Tag des Scheiterns und der Verletzbarkeit" — und fügte hinzu, dieses Scheitern und diese Verletzbarkeit seien nun ebenso Teil von ihr wie ihre Stärke und Verlässlichkeit.
Source: Frankfurter Allgemeine Zeitung