Spionageverdacht: Ehepaar in München für chinesischen Geheimdienst festgenommen

Die Bundesanwaltschaft hat zwei mutmaßliche Agenten in München festnehmen lassen. Das Ehepaar soll Wissenschaftler an deutschen Hochschulen im Auftrag Chinas ausgespäht haben.

Spionageverdacht: Ehepaar in München für chinesischen Geheimdienst festgenommen

Festnahmen in München: Ehepaar soll Forscher für China angeworben haben

Die Bundesanwaltschaft hat ein Ehepaar in München festnehmen lassen, das im Verdacht steht, für den chinesischen Geheimdienst tätig gewesen zu sein. Wie Tagesschau berichtet, dauern die Durchsuchungen der Wohnung und der Arbeitsplätze der Beschuldigten an.

Den Tatverdächtigen Xuejun C. und Hua S. wird vorgeworfen, sich als Dolmetscher oder als Mitarbeiter eines Automobilkonzerns ausgegeben zu haben, um gezielt Kontakt zu Wissenschaftlern an deutschen Hochschulen und Forschungseinrichtungen aufzunehmen. Im Fokus standen dabei vor allem Universitätsprofessoren aus den Bereichen Luft- und Raumfahrttechnik, Informatik und Künstliche Intelligenz.

Nach erfolgreicher Kontaktaufnahme sollen einige der Wissenschaftler nach China gelockt worden sein — offiziell, um dort gegen Honorar Vorträge vor zivilem Publikum zu halten. Tatsächlich sollen bei diesen Veranstaltungen vor allem chinesische Militärs, Geheimdienstmitarbeiter und Angehörige staatlicher Rüstungsunternehmen zugegen gewesen sein.

Die Ermittlungen wurden zunächst durch die Spionageabwehr des Bundesamts für Verfassungsschutz vorangetrieben. Anschließend beauftragte die Bundesanwaltschaft das Bayerische Landeskriminalamt, das die Festnahmen schließlich vollzog. Daneben sind die Ermittler an insgesamt zehn weitere Personen herangetreten, die als Zeugen in Betracht kommen. Die entsprechenden Maßnahmen finden in Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Brandenburg, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen statt.

Reihe von China-Spionagefällen in Deutschland

Der Fall reiht sich in eine Serie ähnlicher Verfahren ein. Im Mai 2025 hatte der Generalbundesanwalt drei deutsche Staatsangehörige vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf angeklagt, die im Auftrag des chinesischen Geheimdienstes operiert haben sollen. Ein Ehepaar und ein weiterer Mann sollen dazu eine Firma betrieben haben, um Kontakt zu Unternehmen und Forschungseinrichtungen in Deutschland herzustellen. Nach Einschätzung der Bundesanwaltschaft soll es dabei um militärisch nutzbare Technologien gegangen sein — darunter Bootsmotoren, Sonar- und Flugzeugschutzsysteme, Panzerantriebe sowie militärisch einsetzbare Drohnen. Der ursprüngliche Spionagevorwurf wurde im Prozessverlauf fallen gelassen; das Verfahren läuft wegen mutmaßlicher Verstöße gegen das Außenwirtschaftsgesetz weiter.

Auch im politischen Bereich dokumentiert die deutsche Justiz chinesische Spionageaktivitäten. Im April 2024 ließ die Bundesanwaltschaft Jian G. festnehmen, einen Assistenten des AfD-Europaabgeordneten Maximilian Krah. G. soll seit 2002 für den chinesischen Geheimdienst tätig gewesen sein und nach dem Einzug Krahs ins Europäische Parlament 2019 Informationen aus dem Parlamentsbetrieb sowie über die AfD weitergegeben haben. Darüber hinaus soll er chinesische Oppositionelle und Dissidenten in Deutschland ausgespäht haben.

Etwa ein halbes Jahr nach der Festnahme G.s wurde eine chinesische Staatsangehörige festgenommen, die bei einem Logistikunternehmen am Flughafen Leipzig/Halle beschäftigt war. Sie soll G. Informationen über den Transport von Rüstungsgütern und über Flüge von Personen aus der deutschen Rüstungsindustrie übermittelt haben. Beide wurden zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt; die Urteile sind noch nicht rechtskräftig.

Die deutsche Spionageabwehr warnt seit Jahren davor, dass China systematisch auf den Transfer von Technologie- und Wissenschaftsinformationen abzielt.

Source: Tagesschau