Eskalation in Ceuta: Angriff auf Militärpatrouille, Brandstiftung in Migrantenlagern

In Ceuta spitzen sich die Konflikte zwischen Einwohnern und Migranten zu: Lager werden angezündet, eine Armeepatrouille gerät in einen Hinterhalt.

Eskalation in Ceuta: Angriff auf Militärpatrouille, Brandstiftung in Migrantenlagern

Gewalt und Gegenangriffe: Ceuta am Rand der Kontrolle

Die Lage in der spanischen Exklave Ceuta hat sich nach Angaben der Frankfurter Allgemeine Zeitung dramatisch zugespitzt. Einheimische greifen Migrantenlager an, Marokkaner hinterhälten eine Militärpatrouille – und die rund 9.000 Sicherheitskräfte vor Ort geraten zunehmend zwischen beide Seiten.

Am Donnerstagabend blockierten Demonstranten Lastwagen des Roten Kreuzes, die Lebensmittel zum Trampolín-Strand liefern sollten, wo Hunderte Marokkaner ein Notlager errichtet haben. Unter dem Ruf „Das Rote Kreuz ist eine Mafia" und „Raus mit den Eindringlingen" durchbrachen einige Demonstranten trotz massivem Polizeiaufgebot die Absperrungen und setzten improvisierte Hütten sowie die Habseligkeiten der Migranten in Brand.

Die lokale Menschenrechtsorganisation Elín beschrieb die Situation gegenüber der Zeitung: „Vermummte Menschen rennen mit Baseballschlägern durch die Straßen. Hunderte versuchen, die Migranten anzugreifen. Sie zerstören ihre Zelte und ihr Hab und Gut." Im Internet kursieren Aufrufe zur Gründung von Bürgerwehren.

Der deutsche Arzt Leon van Bömmel von der Hilfsorganisation Mission Lifeline berichtete der F.A.Z. aus Ceuta, er habe beobachtet, wie junge Spanier verletzte Migranten durch Straßen jagten. Am Rande einer Demonstration mit mehr als 2.000 Teilnehmern am Mittwochabend sei ein Marokkaner mit Krücken von der Menschenmenge angegangen worden. Die Leiterin der spanischen NGO „Médicos del Mundo" wurde dabei als „Verräterin" beschimpft. Migranten berichteten van Bömmel zudem, Spanier hätten sie in ihren Nachtlagern mit Pistolen und Macheten bedroht. „Wir sehen sehr viele Verletzungen, Infektionen, Knochenbrüche und chronische Erkrankungen, die seit Wochen unbehandelt bleiben", sagte er.

Parallel dazu geriet am frühen Donnerstagmorgen eine unbewaffnete Militärpatrouille im Stadtteil Benzú in einen offenbar vorbereiteten Hinterhalt. Mehrere Dutzend Männer – Medienberichten zufolge Marokkaner – umringten ein nicht gepanzertes Militärfahrzeug in Strandnähe und bewarfen es mit Steinen. Die vier Soldaten mussten fliehen, einer wurde verletzt, wie der Generalstab mitteilte. Die Polizei nahm später zwölf mutmaßliche Angreifer fest. Die Zeitung „ABC" berichtete unter Berufung auf Polizeiquellen, es bestehe der Verdacht, dass aus Marokko radikale Personen nach Ceuta eingereist seien, um Unruhen zu schüren. In sozialen Medien kursierten demnach Aufrufe, die spanischen „Besatzer" aus der Stadt zu vertreiben, die Marokko territorial beansprucht.

Krisenkoordinator Ángel Víctor Torres rief zur Gewaltlosigkeit auf und betonte, weder Rotkreuz-Freiwillige noch Journalisten dürften bedroht werden. Generalstaatsanwältin Teresa Peramato bezeichnete die Lage bei einem Besuch in Ceuta als „dramatisch" und verwies auf 16 Sexualdelikte seit Ende Juli, deren Opfer überwiegend minderjährige Migrantinnen seien. Auch Raubüberfälle und Angriffe auf Sicherheitskräfte hätten zugenommen.

Innenminister Fernando Grande-Marlaska warf den rechten Oppositionsparteien PP und Vox am Freitag vor, in Ceuta „Hass zu schüren". Nach Regierungsangaben halten sich noch rund 5.000 Migranten in der Exklave auf; PP und Vox beziffern die Zahl auf bis zu 20.000. Für diesen Samstag ist eine „Solidaritäts-Armada" aus 60 Schiffen nach Ceuta angekündigt.

Source: Frankfurter Allgemeine Zeitung

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