Schlepper verlangen bis zu 9000 Euro für Überfahrt von Ceuta – fünf Festnahmen

Spanische Polizei nimmt fünf mutmassliche Schlepper fest, die Migranten für bis zu 9000 Euro pro Person von Ceuta aufs Festland brachten.

Schlepper verlangen bis zu 9000 Euro für Überfahrt von Ceuta – fünf Festnahmen

Schlepperring in Ceuta zerschlagen: Überfahrt kostete bis zu 9000 Euro pro Kopf

Nachts, dicht gedrängt und ohne Schwimmwesten – so schildert 20 Minuten die Bedingungen, unter denen Migranten in kleinen Booten von Ceuta aus den Weg zum spanischen Festland antraten. Für diese gefährliche Passage verlangten Schlepper nach Angaben aus Ermittlerkreisen bis zu 9000 Euro pro Person – deutlich mehr als bislang üblich.

Die spanische Polizei nahm in den vergangenen Tagen fünf mutmassliche Schlepper fest. Bei allen Verdächtigen handelt es sich laut Behörden um spanische Staatsbürger. Ihnen werden organisierte Kriminalität sowie Beihilfe zur illegalen Einwanderung vorgeworfen.

Einer der Männer soll in der Nacht auf den 14. August von sieben Migranten jeweils 8000 Euro für die Überfahrt kassiert haben – in einem Boot, das laut Polizei keinerlei «Mindestsicherheitsstandards» erfüllte. Zum Vergleich: Der gesetzliche Mindestlohn in Marokko entspricht 2026 umgerechnet rund 263 Schweizer Franken pro Monat. Eine Überfahrt zum Preis von 8400 Franken entspricht damit mehr als zweieinhalb Jahren Arbeit zum Mindestlohn.

Die Migranten waren rund fünf Stunden auf See und legten bei dichtem Nebel fast 40 Kilometer zurück. Die Bootsführer seien gezielt wegen ihrer Erfahrung mit hohen Geschwindigkeiten und ihrer Fähigkeit ausgewählt worden, Polizeikontrollen auszuweichen, teilte die Polizei am Freitag mit.

Ins Rollen kamen die Ermittlungen durch den Fund eines Schnellboots, das wenige Tage zuvor auf einem Felsenriff bei El Tarajal gestrandet war. Nach Erkenntnissen der Behörden gehörte es zu einer Organisation, die bereits seit Längerem zwischen Marokko, Ceuta und dem spanischen Festland operierte.

«Die Nachfrage ist gestiegen, und die kriminellen Netzwerke haben ihre Preise erhöht», sagte ein Polizeisprecher gegenüber der spanischen Zeitung «El País». Migranten, die bereit waren, die hohen Summen zu bezahlen, sollen bis zur Überfahrt in Häusern und Garagen untergebracht worden sein, die vom Netzwerk kontrolliert wurden.

Um einer Entdeckung zu entgehen, mieden die Bootsführer Gebiete mit verstärkter Polizeipräsenz – die Kontrollen waren zuletzt infolge der angespannten Migrationslage ausgeweitet worden. Die Boote starteten an der Küste von Cádiz, nahmen die Migranten auf und brachten sie anschliessend ans Festland. Dort warteten weitere Netzwerkmitglieder, um die Angekommenen weiterzubringen.

Source: 20 Minuten

Read this article in English