Schiesserei in Aarau: Festnahme nach 24 Stunden – offene Fragen zur Fahndung
Nach dem tödlichen Angriff am Rave in Aarau wurde ein 43-jähriger Schweizer verhaftet. Blick analysiert die Polizeiarbeit der ersten 24 Stunden.
Verhaftung nach Grossfahndung – was die Polizei in Aarau in 24 Stunden leistete
Mehr als 100 Polizisten standen im Einsatz, ein Superpuma-Helikopter der Armee kreiste über dem Gebiet: Nach der Schiesserei am Rave auf dem Schachen-Areal in Aarau, bei der die 22-jährige in der Schweiz wohnhafte Italienerin Maria S. ums Leben kam und fünf weitere Personen teils schwer verletzt wurden, lief eine der grössten Fahndungsaktionen des Kantons Aargau. In der Nacht auf Montag konnte ein 43-jähriger Schweizer als Tatverdächtiger verhaftet werden. Blick beantwortet die wichtigsten Fragen zum Vorgehen der Behörden.
Grossaufgebot vom ersten Moment an
«Aktuell ist praktisch die ganze Polizei aus dem Aargau auf den Beinen», sagte Mediensprecher Bernhard Graser am Sonntagnachmittag. Neben den Polizistinnen und Polizisten waren Rettungskräfte, die Feuerwehr, der Rettungsdienst sowie das Kantonale Katastrophen Einsatzelement (KKE) vor Ort. Das Schachen-Areal wurde grossräumig abgesperrt, an allen Zufahrtswegen rund um Aarau fanden Personenkontrollen statt.
Entwarnung trotz flüchtiger Täterschaft
Wenige Stunden nach der Tat erklärte die Kantonspolizei Aargau, es bestehe keine Gefahr mehr für die Bevölkerung – obwohl die Täterschaft zu diesem Zeitpunkt noch nicht gefasst war. Die Entwarnung bezog sich dabei auf den Ereignisort selbst, der schnell gesichert werden konnte. Dass von einer flüchtigen, möglicherweise bewaffneten Täterschaft keine weitere Gefahr ausging, war damit nicht zwangsläufig gemeint.
Sind Täter auf der Flucht, trennt die Polizei ihre Arbeit in zwei Stränge: Gefahrenabwehr und Strafverfolgung. Solange nicht ausgeschlossen werden kann, dass die Täterschaft weitere Personen angreifen oder bedrohen könnte, hat die Gefahrenabwehr Vorrang. Erst wenn diese Frage verneint werden kann, rückt die Strafverfolgung – Identifizierung, Ortung und Festnahme des Tatverdächtigen – in den Vordergrund. Deshalb blieb der Aarauer Schachen auch am Sonntag weiträumig abgesperrt, obwohl die Täterschaft mutmasslich bereits weit entfernt war.
Internationale Fahndung im Schengenraum
Parallel zu nationalen Massnahmen wie der Ausschreibung im Fahndungssystem Ripol wurde laut Stephan Reinhardt, Ex-Kommandant der Aargauer Kantonspolizei, sofort eine internationale Fahndung ausgelöst. «Zunächst im Schengenraum mittels einer Ausschreibung im Schengener Informationssystem SIS», erklärte Reinhardt auf Blick-Anfrage. Dies bedeute auch «die Weitergabe bekannter Merkmale der Täterschaft an sämtliche Polizeibehörden der Schengen-Mitgliedstaaten» – womit diese auch im Landesinneren nach mutmasslichen Tätern suchen können.
Wie die Deutsche Presse-Agentur (DPA) berichtete, war routinemässig auch die deutsche Polizei an den Fahndungsmassnahmen beteiligt. Von Aarau bis zur deutschen Grenze benötigt man mit dem Auto weniger als eine Stunde. Ein Sprecher des Polizeipräsidiums Freiburg machte keine konkreten Angaben zu den deutschen Massnahmen. Reinhardt nannte gründliche Personenkontrollen an nahegelegenen Grenzübergängen als naheliegende Sofortmassnahme. Unabhängig vom Fall Aarau führt Deutschland derzeit bereits vorübergehende Binnengrenzkontrollen durch – zur Bekämpfung irregulärer Migration und Schleusungskriminalität.
Viele offene Fragen
Trotz der raschen Festnahme bleiben zentrale Fragen ungeklärt. Ob ein oder mehrere Täter am Werk waren und wer konkret geschossen hat, ist noch unklar. Auch das Motiv ist bislang völlig unbekannt. «Ein Erfolg ist in solchen Fällen von verschiedenen Faktoren abhängig», sagte Ex-Kommandant Reinhardt. Er nannte Zeugenbefragungen, die Auswertung von Tatwaffe und Munition sowie Bildmaterial als entscheidende Ermittlungsansätze.
Mehrere Faktoren sprachen zunächst gegen eine schnelle Festnahme: Die Täterschaft hatte erheblich Zeit, sich vom Tatort zu entfernen, und ein konkreter Aufenthaltsort war nicht bekannt. Dennoch gelang es den Ermittlerinnen und Ermittlern, den Tatverdächtigen innerhalb von weniger als 24 Stunden nach dem Angriff zu verhaften. Offen bleibt, ob er alleine handelte oder ob Komplizen an der Tat beteiligt waren.
Name der Verstorbenen von der Redaktion abgekürzt.
Source: Blick