Schüsse auf Rave-Besucher in Aarau: eine Tote, fünf Verletzte – Täter flüchtig
Bei einem Musikfestival in Aarau wurden in der Nacht auf Sonntag Schüsse in eine Menschenmenge abgefeuert. Eine 22-Jährige starb, fünf weitere Personen wurden verletzt.

Tödliche Schüsse nach Rave in Aarau – Motiv weiter unklar
Auf der Pferderennbahn im Aarauer Schachen sind in der Nacht auf Sonntag Schüsse in eine Menschenmenge gefallen. Wie die NZZ berichtet, kam dabei eine 22-jährige Frau ums Leben; vier Männer und eine Frau im Alter zwischen 24 und 27 Jahren wurden teilweise schwer verletzt und befinden sich im Spital.
Das Schusswaffenfeuer ereignete sich gegen halb drei Uhr morgens, nachdem das letzte Konzert des «Aarauer Rave Vol. 7» gegen zwei Uhr geendet hatte. Zu diesem Zeitpunkt hatten viele der rund 2500 Besucherinnen und Besucher das Gelände bereits verlassen. Das Festival zieht seit Jahren mehrere tausend Personen an; die Gäste tanzen und feiern dabei zu elektronischer Musik vor einer Bühne neben der Haupttribüne der Rennbahn.
Alle Opfer sind in der Schweiz wohnhaft. Die getötete Frau stammt aus Italien. Die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni bekundete auf X ihr Mitgefühl: «Ich spreche mein tiefstes Beileid zum Tod von Maria Spinelli aus, der jungen Italienerin, die beim tragischen Schusswaffenangriff in Aarau ums Leben gekommen ist.» Laut dem «Corriere della Sera» bildete Aussenminister Antonio Tajani eine Task-Force und entsandte diese in die Schweiz. Unter den Verletzten befinden sich laut Meloni auch zwei weitere italienische Staatsbürger.
Täterschaft unbekannt, Suche läuft schweizweit
Wer hinter den Schüssen steckt, ist nach wie vor unklar. Polizeikommandant Michael Leupold erklärte an einer Medienkonferenz am Sonntagabend: «Es gibt mindestens einen Täter.» Eingegangene Meldungen liessen aber auch auf mehrere Täter schliessen. An verschiedenen Orten auf dem Gelände wurden Patronenhülsen unterschiedlicher Feuerwaffen sichergestellt – ein Hinweis auf mindestens zwei Personen, wobei die Polizei nicht ausschliesst, dass eine einzelne Person mehrere Waffen bei sich trug.
Die Kantonspolizei Aargau geht laut einem Sprecher davon aus, dass die Täterschaft das Gebiet bereits verlassen hat: «Es ist unwahrscheinlich, dass sie sich noch in der Gegend befindet.» Wohin die Flüchtigen entwichen sind und mit welchem Fahrzeug, war am frühen Sonntagabend noch unbekannt. Die Suche laufe «auf Hochtouren» und erstrecke sich auf das gesamte Land. Mehr als einhundert Einsatzkräfte sind im Einsatz – Polizisten, Feuerwehrleute und Sanitäter. Wegen des laufenden Fahndungseinsatzes bestehe ein Restrisiko, so die Polizei.
Für Angehörige von Opfern und Augenzeugen hat die Kantonspolizei eine Hotline eingerichtet: 062 835 62 62.
Drei Hypothesen zum Motiv
Zum Tatmotiv konnte Polizeikommandant Leupold keine gesicherten Angaben machen. Er nannte drei gleichwertige Hypothesen: einen Terroranschlag, einen Amoklauf oder ein kriminelles Geschehen mit bislang unbekanntem Motiv. «Wir wissen es nicht. Wir verfolgen die Hypothesen intensiv. Alle drei sind gleich wahrscheinlich», sagte Leupold.
Bemerkenswert ist laut der Kantonspolizei der Zeitpunkt: Die Schüsse fielen erst nach dem Ende des Festivals, als ein Grossteil der Besucher das Areal bereits verlassen hatte. Der Sprecher deutete an, dass ein gezielter Anschlag auf die Masse zu einem früheren Zeitpunkt – während des laufenden Konzerts – weit mehr Personen gefährdet hätte.
Aarau am Sonntag: Absperrungen, Schweigeminuten, Flanierwetter
Die Kantonspolizei sperrte das Gebiet rund um die Sportanlage Schachen grossräumig ab, obwohl nach eigenen Angaben keine «akute Gefahrenlage» besteht. Die Absperrungen dienten in erster Linie der Tatortarbeit. Das Schwimmbad Aarau blieb bis auf weiteres geschlossen; der Aargauer Fussballverband sagte sämtliche Spiele auf der Sportanlage Schachen und in der Breite in Erlinsbach ab.
Das Stadtbild am Sonntag zeigte einen eigentümlichen Widerspruch: In den Kirchen wurden Schweigeminuten abgehalten, während auf den Terrassen der Stadt spätsommerliches Treiben herrschte. Eine Gruppe Teenager verfolgte im Starbucks die SRF-Sondersendung auf dem Mobiltelefon; eine Freundin von ihnen sei ebenfalls beim Rave gewesen und habe die Schüsse zunächst für Feuerwerk gehalten.
Die Veranstalter des «Aarauer Rave» meldeten sich auf Instagram zu Wort: Sie seien «schockiert» und würden alles tun, um die Polizei bei ihrer Arbeit zu unterstützen.
Source: NZZ