Fährunglück vor Zypern: Kapitän festgenommen, acht Tote, 18 Vermisste

Der Kapitän des gekenterten Katamarans „Filo Jet" wurde festgenommen – er soll vor dem Unglück von Bord geflohen sein. Acht Menschen starben, 18 werden noch vermisst.

Fährunglück vor Zypern: Kapitän festgenommen, acht Tote, 18 Vermisste

Katamaran „Filo Jet" sinkt vor Nordzypern – Kapitän und Crew unter schwerem Verdacht

Nach dem Kentern der Fähre „Filo Jet" vor der Küste Nordzyperns hat die Polizei am Sonntagabend den Kapitän sowie sieben Crewmitglieder festgenommen. Das berichtet WELT unter Berufung auf zyprische Behörden. Mindestens acht Menschen kamen bei dem Unglück ums Leben, nach 18 Vermissten wurde in der Nacht noch gesucht.

Der Katamaran war am Sonntagmittag kurz nach dem Auslaufen aus dem Hafen Kyrenia im Norden der Mittelmeerinsel in Richtung des südtürkischen Mersin unterwegs, als aus noch ungeklärten Gründen Wasser eindrang. Das Schiff lief voll, kippte zur Seite und sank schließlich wenige Kilometer vor der Küste. An Bord befanden sich rund 260 Passagiere und 8 Besatzungsmitglieder; die meisten konnten gerettet werden.

Überlebende erheben schwere Vorwürfe gegen die Besatzung. Der türkisch-zyprische Verkehrsminister Erhan Arikli sagte der staatlichen türkischen Nachrichtenagentur Anadolu, einige der geretteten Passagiere hätten berichtet, Türen und Fluchtwege seien während des Unglücks verschlossen gewesen. Zudem soll der Kapitän das Schiff verlassen haben, als sich die Katastrophe abzeichnete. Alle Vorwürfe würden intensiv geprüft, versicherte Arikli.

Bei der Rettungsaktion spielten sich dramatische Szenen ab: Menschen in Rettungswesten klammerten sich an den über Wasser treibenden Teil der havarierten Fähre, während ein Hubschrauber über ihnen kreiste. Augenzeugen schilderten chaotische Zustände an Bord – Passagiere im unteren Deck des zweistöckigen Schiffes hätten in Panik versucht, Scheiben einzuschlagen, um ins Freie zu gelangen.

Neben den polizeilichen Ermittlungen wird eine separate Untersuchung des Unglücks eingeleitet. Alle Ergebnisse zu Betriebserlaubnis, Seetauglichkeit und Sicherheitsvorkehrungen an Bord sollen anschließend öffentlich gemacht werden, kündigte Arikli an.

Ministerpräsident Ünal Üstel versprach eine lückenlose Aufklärung. „Selbst die geringste Fahrlässigkeit wird ans Licht kommen", erklärte der Regierungschef der nur von der Türkei anerkannten Republik Nordzypern.

Die Ermittler setzen große Hoffnungen auf die Bergung des Schiffsdatenschreibers, der in rund 500 Meter Tiefe auf dem Meeresgrund liegt. Er könnte Aufschluss über den genauen Hergang des Unglücks geben, so Verkehrsminister Arikli gegenüber dem Sender BRT. Nach seinen Angaben hatte die Fähre erst vor etwa zwei Monaten eine Inspektion durchlaufen.

Source: WELT

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