Mord an Fabian aus Güstrow: Angeklagte Gina H. verstrickt sich in Widersprüche

Am 27. Verhandlungstag im Prozess um den Tod des achtjährigen Fabian beantwortete Gina H. erstmals ausführlich Fragen der Staatsanwaltschaft – und geriet dabei mehrfach ins Schwimmen.

Mord an Fabian aus Güstrow: Angeklagte Gina H. verstrickt sich in Widersprüche

Angeklagte Gina H. bei Befragung in Widersprüche verstrickt

Am 27. Verhandlungstag im Mordprozess um den achtjährigen Fabian aus Güstrow hat die Angeklagte Gina H. erstmals ausführlich Fragen des Vorsitzenden Richters und der Staatsanwaltschaft beantwortet. Wie ndr.de berichtet, hinterließ die knapp sechsstündige Befragung am Landgericht Rostock sichtlich Zweifel beim Vorsitzenden Richter Holger Schütt – und lieferte der Gegenseite neue Angriffspunkte.

„Um Kopf und Kragen geredet"

Rechtsanwältin Christine Habetha, die Fabians Mutter vertritt, zog nach dem langen Verhandlungstag ein klares Fazit: Die Angeklagte habe sich „um Kopf und Kragen geredet". Gina H. sei den hohen Anforderungen, die ans erfolgreiche Lügen gestellt werden, „offenbar nicht gerecht geworden". Verteidiger Andreas Ohm wollte dem nicht beipflichten. Zwar räumte auch er vermeintliche Widersprüche in den Antworten seiner Mandantin ein, hielt diese jedoch für nicht geeignet, ihr die Tat nachzuweisen.

Schütt hatte der Angeklagten zu Beginn seiner Befragung versichert, es gehe ihm darum, Widersprüche zu klären – er wolle sie nicht vorführen. Dennoch geriet Gina H. im Laufe der Stunden wiederholt ins Schwimmen. Zunächst antwortete sie flüssig, besserte ihre Aussagen jedoch mehrfach nach, sobald Schütt darauf hinwies, dass eine vorangegangene Antwort nicht stimmen könne.

Widersprüche rund um den 10. Oktober

Im Mittelpunkt der Befragung stand der 10. Oktober 2025 – jener Tag, an dem Fabian von seiner Mutter als vermisst gemeldet wurde. Schütt konfrontierte Gina H. wiederholt mit Details aus ihrer 95 Seiten langen Aussage, die sie im August verlesen hatte. Dabei traten deutliche Unstimmigkeiten zutage: Mal hatte sie ihr Portemonnaie auf einer Fahrt zu einer Güstrower Bank dabei, dann wieder nicht. Mal war sie nach einem Treffen mit einem Bekannten am Bolzsee direkt zur Kindertagesstätte ihres Kindes und anschließend einkaufen gefahren. Als Schütt anmerkte, eine Überwachungskamera habe sie beim Einkaufen mit gezücktem Portemonnaie gezeigt, behauptete sie plötzlich, zwischendurch doch zuhause gewesen zu sein.

Schwer nachzuvollziehen war für den Richter auch, warum die 30-Jährige am Vormittag des 10. Oktober ausgerechnet in der Nähe des späteren Tatorts bei Klein Upahl durch einen Wald spaziert war. Ebenso wenig ließ sich schlüssig erklären, warum sie danach quer durch den Wald fuhr – an jenem Tümpel vorbei, an dem Fabians Leiche vier Tage später gefunden wurde – obwohl ein deutlich kürzerer Weg zurück zur Landstraße zur Verfügung gestanden hätte.

Gina H. betonte mehrfach, mit Fabians Tod nichts zu tun zu haben. Verteidiger Ohm erklärte, seine Mandantin mache manche Dinge eben anders, „als wir es machen würden". Die Befragung soll am kommenden Dienstag fortgesetzt werden. Nachfragen unmittelbar nach der Verlesung der Aussage im August hatten die Verteidiger noch abgeblockt – damals sei Gina H. psychisch dazu nicht in der Lage gewesen.

LKA-Experte wertet Handy-Bewegungsdaten aus

Zu Beginn des Verhandlungstages wurde erneut ein Sachverständiger des Landeskriminalamtes (LKA) als Zeuge gehört. Er hatte das sichergestellte Mobiltelefon von Gina H. ausgewertet und anhand zahlreicher interner Sensoren die Bewegungen des Geräts am mutmaßlichen Tattag, dem 10. Oktober, rekonstruiert – darunter auch, wann das Handy vermutlich mit einem Auto durch die Gegend gefahren wurde.

Das Gericht hatte die Ermittler zuvor beauftragt, die Bewegungsdaten durch eine Nachfahrt zu überprüfen. Anfang des Monats fuhr der Beamte in einem Polizeifahrzeug zwei mögliche Strecken ab: einmal vom Bolzsee bei Lohmen zurück zum Tatort – wie es die Staatsanwaltschaft in ihrer Anklage behauptet – sowie vom Bolzsee direkt nach Reimershagen, wo Gina H. wohnte. Nach Angaben des LKA-Mannes zeichnete das Handy beide Strecken nachvollziehbar auf. Verteidiger Ohm bezweifelte dennoch die Zuverlässigkeit der Daten: Der Zeuge habe mehrere Ungenauigkeiten nicht erklären können.

Hintergrund: Vorwürfe gegen die Angeklagte

Die Staatsanwaltschaft wirft Gina H. vor, den achtjährigen Fabian am 10. Oktober aus der Wohnung seiner Mutter in Güstrow gelockt und an einem Tümpel bei Klein Upahl – rund 15 Kilometer südlich von Güstrow – erstochen zu haben. Anschließend soll sie an den Fundort zurückgekehrt sein, um die Leiche anzuzünden. Fabian war der Sohn des damaligen Ex-Freundes der Angeklagten. Sieben Wochen vor seinem Verschwinden hatte der Vater die Beziehung mit Gina H. beendet. Die Staatsanwaltschaft geht in ihrer Anklage davon aus, dass Gina H. das Kind als Hindernis bei dem Versuch gesehen habe, die Beziehung wieder aufzunehmen.

Ein Urteil wird derzeit für Oktober erwartet.

Source: BILD