Mordprozess Fabian: Gina H. bestreitet Tat – „wie mein eigenes Kind"

Gina H. streitet den Mord an ihrem achtjährigen Stiefsohn Fabian ab und schilderte vor Gericht eine toxische Beziehung sowie eine schwere Kindheit.

Mordprozess Fabian: Gina H. bestreitet Tat – „wie mein eigenes Kind"

Gina H. sagt erstmals aus: Kein Mord an Fabian, aber Einblick in toxische Beziehungen

Wie Google News DE — Crime (de) berichtet, hat sich Gina H. am Montag erstmals vor dem Landgericht zur Anklage geäußert – und den Mord an dem achtjährigen Fabian entschieden bestritten. Die Angeklagte soll ihren Stiefsohn im Oktober 2025 in der Nähe eines Tümpels bei Klein Upahl, rund 15 Kilometer südlich von Güstrow, mit sechs Messerstichen getötet und seine Leiche anschließend in Brand gesetzt haben. Mit emotionalen Worten schloss sie ihre mehrstündige Aussage: „Hätte ich ihn ermordet, hätte ich mit Sicherheit das Gefühl gehabt, mein eigenes Kind zu töten."

Innige Bindung an Fabian geschildert

Fabian habe sie nie als Problem wahrgenommen, erklärte Gina H. vor Gericht. Anfängliche Schwierigkeiten räumte sie zwar ein, doch das Verhältnis sei insgesamt gut gewesen – der Junge habe sie mehrmals „Mama" genannt. Fabians Vater, Matthias R., soll den Achtjährigen nach ihren Angaben mehrmals körperlich gezüchtigt haben. Auch von Hänseleien in der Schule berichtete Gina H., denen Fabian ausgesetzt gewesen sein soll.

Gewalt durch Fabians Vater

Zu Beginn ihrer Einlassung schilderte die Angeklagte ihre Beziehung zu Matthias R. als belastend. Sie beschrieb sich selbst als „treu, loyal und leider auch sehr einnehmend" und räumte ein, innerhalb von Beziehungen „zum Raubtier" werden zu können. R. soll ihr mehrfach körperliche Verletzungen zugefügt haben: einmal habe er ihr den Ellbogen gebrochen, ein anderes Mal die Rippen gequetscht. Fabian habe diese Übergriffe beobachtet und danach keinen Respekt mehr vor seinem Vater gehabt – „Er nannte ihn nicht mehr Papi", berichtete Gina H.

Diese Darstellung widersprach den Aussagen von Matthias R., der vor Gericht angegeben hatte, es habe keine Gewalt gegeben. Gina H. erwähnte außerdem, vier Monate nach dem Kennenlernen schwanger geworden zu sein; beide hätten sich für einen Schwangerschaftsabbruch entschieden.

Empathiemangel und finanzielle Unabhängigkeit

Immer wieder kämpfte Gina H. während ihrer Aussage mit den Tränen. Gegenüber ihrem Ex-Freund räumte sie fehlende Empathie ein: Als dessen Vater gestorben sei, habe sie der Tod ihres Lieblingspferdes zu sehr beschäftigt. Eine finanzielle Abhängigkeit von Matthias R. wies sie zurück – ihre Rente reiche zum Leben, die Koppelpacht übernähmen ihre Großeltern.

Vor Gericht gestand Gina H. zudem, bei einem früheren Arbeitgeber einen Sattel gestohlen zu haben. Die Kündigung sei „völlig zu Recht" erfolgt, sagte sie.

Blutspuren im Auto erklärt

Zu den in ihrem Fahrzeug gefundenen Blutspuren äußerte sich Gina H. mit einer konkreten Erklärung: Fabian habe sich bei einem Badeausflug im Sommer verletzt und ein Pflaster benötigt. Das Blut habe sie damals mit Küchenpapier abgetupft – dieses sei später von der Polizei gefunden worden.

Schwierige Kindheit und Selbstbild als Opfer

Gina H. beschrieb eine belastete Kindheit: Ihre Mutter habe ihr keine Zuneigung gezeigt, sie aber geschlagen, und habe nach eigenen Angaben während der Schwangerschaft Drogen konsumiert. Mit acht Jahren sei sie zusammen mit ihrer Schwester in die Obhut der Großeltern gekommen. Noch heute empfindet sie Neid gegenüber ihrer Schwester – „besser in der Schule und hübscher" –, weshalb sie beide nie wieder sehen wolle.

Sie beschrieb sich selbst als „misstrauisch" und „eifersüchtig" und gab an, seit der Kindheit Angststörungen entwickelt zu haben. Die Behörden würden an ihren Erkrankungen zweifeln, klagte sie. Im laufenden Prozess sieht sich Gina H. als „Bauernopfer".

Belastende Zeugen und Vorwürfe an Nachbarn

Drei Zeugen sollen Gina H. zum Tümpel geführt haben – dem Fundort von Fabians Leichnam. Zu ihrer einstigen besten Freundin Heike M. äußerte sich die Angeklagte mit gemischten Gefühlen: Sie schätze M. noch immer, doch diese wolle keinen Kontakt mehr. M. hatte vor Gericht ausgesagt, Gina H. habe sie zur Leiche geführt und erst auf ihr Drängen hin die Polizei gerufen.

Mit Christian D., einem weiteren Zeugen, habe die Angeklagte nach eigenen Angaben „fast täglich nächtliche Ausflüge" unternommen; es sei auch zu Zärtlichkeiten und Küssen gekommen. „Ich wollte ihm gefallen", sagte Gina H. vor Gericht. D. hatte im Juni von einem rein freundschaftlichen Verhältnis gesprochen und ausgesagt, Gina H. habe das Problem bei Fabian gesucht – der Junge habe versucht, einen Keil in ihre Beziehung zu Matthias R. zu treiben. Das bestreitet Gina H. ausdrücklich.

Ihren Nachbarn Olaf K. belastete die Angeklagte schwer. K. habe ihr gedroht, ihr „das Liebste zu nehmen" und die Beziehung zu Matthias zu zerstören, sollte sie zu ihm zurückkehren – so zitiert „t-online" Gina H. vor Gericht. Sie selbst glaube jedoch nicht, dass K. damit Fabian gemeint habe. Zunächst habe sie K. als hilfsbereit erlebt, er habe ihr sogar Blumen geschenkt und später sexuelle Fantasien ihr gegenüber geäußert. Ihren Freund soll er gehasst haben. „Vermutlich hat er sich selbst gemeint", sagte Gina H. über K.s Andeutung, sie verdiene etwas Besseres.

Aussage bleibt offen

Der zweite Teil der Aussage zu den Tagen vor Fabians Verschwinden wurde in den Berichten nur angeschnitten. Am Tag vor seinem Verschwinden soll Gina H. selbst nicht in Güstrow gewesen sein – weitere Details aus diesem Abschnitt ihrer Einlassung stehen noch aus. Der Prozess wird fortgesetzt.

Source: Google News DE — Crime (de)

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