Mordprozess Rostock: Gina H. räumt Alibi-Absprache mit Bekanntem ein
Am 26. Verhandlungstag im Mordprozess um den achtjährigen Fabian sagten drei Kinder aus, den Jungen noch am Tag seines Verschwindens gesehen zu haben. Gina H. ergänzte unterdessen ihre Einlassung und erläuterte ihr Handyverhalten bei Treffen mit Christian D.

Kinderzeugen bringen keine Wende im Mordprozess um Fabian
Am 26. Verhandlungstag im Mordprozess vor dem Landgericht Rostock haben drei Kinder ausgesagt, den achtjährigen Fabian noch am Tag seines Verschwindens gesehen zu haben. Damit stand kurzzeitig die Frage im Raum, ob der Junge länger gelebt haben könnte als bislang angenommen. Eine entscheidende Wende im Verfahren brachten die Aussagen jedoch nicht, wie BILD vor Ort berichtete.
Die Verteidigung von Angeklagter Gina H. (30) bewertete die Angaben der beiden zehnjährigen Jungen als glaubwürdig. Staatsanwalt Oliver Schley sah das anders: Die zeitliche Einordnung der Zeugen sei „inkonstant", erklärte er in einer Stellungnahme. Die beiden hätten „naheliegend eine solche Situation beobachtet" – aber am Donnerstag, was sich mit den bisherigen Ergebnissen der Hauptverhandlung decke. Bei einem zwölfjährigen Mädchen als dritter Zeugin stellte Schley „erhebliche Widersprüche" fest: Bei der Polizei habe sie noch von einem Mann gesprochen, vor Gericht von zwei Männern. Damals habe sie angegeben, der Mann habe Fabian angefasst – das verneinte sie auf Nachfrage nun.
Gina H.s Verteidiger Andreas Ohm hielt dagegen. Juristen seien bekannt dafür, „Tatsachen so auszulegen, dass sie ins Gesamtbild passen". Über die beiden Jungen sagte er: „Die waren ersichtlich bemüht, hier die Wahrheit zu sagen, und haben gesagt, wenn sie sich nicht erinnern konnten." Die Kernaussage, dass sie Fabian am 10. Oktober 2025 zu jener Zeit gesehen hätten, sei „sehr überzeugend" gewesen.
Alibi-Absprache und Handydaten im Fokus
Parallel zu den Zeugenaussagen ergänzte Gina H. ihre bereits 95 Seiten umfassende Einlassung um weitere Seiten. Darin äußerte sie sich erneut zu ihrer exzessiven Handynutzung und ihrer Parkplatzwahl am Tag von Fabians Verschwinden.
Die Handydaten spielen eine zentrale Rolle bei der Frage nach einem möglichen Alibi. Es geht darum, ob sich die Wege von Gina H. und ihrem Bekannten Christian D. bereits am 9. Oktober 2025 – einen Tag vor der Tat – gekreuzt haben. Außerdem ist strittig, wo Gina H. sich zum Zeitpunkt des Anzündens der Leiche befand. Sie gibt in beiden Fällen an, gemeinsam mit Christian D. gewesen zu sein.
Die Ermittler leiten aus der Handyaktivität jedoch einen anderen zeitlichen Ablauf ab. Die intensive Nutzung der Mobiltelefone und der Nachrichtenaustausch zwischen den beiden werteten sie als Indiz dafür, dass die Treffen bereits beendet gewesen sein könnten.
Über ihren Anwalt ließ Gina H. erklären: „Wir haben ebenfalls nicht die ganze Zeit miteinander geredet, uns war nur wichtig, zusammen Zeit zu verbringen." Sie hätten auch oft Nachrichten hin- und hergeschickt, „obwohl wir unmittelbar nebeneinander saßen". Auf Nachfrage ergänzte sie selbst: „Ich habe schon in meiner Einlassung gesagt, dass ich geradezu süchtig hinsichtlich der Nutzung meines Handys bin. Bei Treffen mit anderen nutzte ich regelmäßig mein Handy." Das gelte auch für Treffen mit Christian D.
Sprachnachrichten über Beerdigung verlesen
Im Verlauf des Verhandlungstages wurden zudem Sprachnachrichten zwischen Gina H. und Matthias R. verlesen. Am 20. Oktober 2025 tauschten sich die beiden darüber aus, dass Presse bei ihnen sei und sie sich deshalb nicht sehen könnten. „Es wäre einfach schön, wenn wir uns sehen könnten", sagte Gina H. in einer dieser Nachrichten.
Am 21. Oktober 2025 schickte Matthias R. eine Sprachnachricht: „Irgendwo muss man die Kraft sparen. Ich hab noch ganz viele schwere Gänge vor mir, die Beerdigung, die Trauerfeier etc." Gina H. antwortete: „Ich werd' auf jeden Fall nicht kommen, auch wenn ich gerne würde. Ich stelle mich da nicht an den Pranger. […] Du bist ja nicht alleine, da brauchst du mich sowieso nicht dabei, so wie es schon immer eigentlich war. Du brauchst mich eigentlich gar nicht. Ich war nie so wichtig für dich, wie du für mich warst." Matthias R. teilte daraufhin mit, die Beerdigung solle „nur im Familienkreis" stattfinden. Später zeigte sich Gina H. verärgert darüber, dass er ihr den genauen Termin nicht nannte.
Nächster Verhandlungstag mit Befragung der Angeklagten
Richter Holger Schütt schloss den 26. Verhandlungstag um 12.08 Uhr. Die Hauptverhandlung wird nächsten Donnerstag fortgesetzt. Dieser Termin wird mit Spannung erwartet: Gina H. will sich dann erstmals den Fragen des Gerichts stellen.
Source: BILD