NSU-Verurteilte Zschäpe beantragt vorzeitige Entlassung – OLG München angehört

Beate Zschäpe wurde am Donnerstag vor dem Münchner OLG angehört. Das Gericht muss nun über die Mindestverbüßungsdauer der lebenslangen Haftstrafe entscheiden.

NSU-Verurteilte Zschäpe beantragt vorzeitige Entlassung – OLG München angehört

Zschäpe vor Gericht: OLG München entscheidet über Mindesthaftdauer

Die wegen der NSU-Mordserie zu lebenslanger Haft verurteilte Beate Zschäpe (51) hat einen Antrag auf vorzeitige Haftentlassung gestellt. Wie BILD berichtet, fand am Donnerstag eine nicht-öffentliche mündliche Anhörung vor dem Münchner Oberlandesgericht (OLG) statt – als Vorbereitung für eine Entscheidung über die sogenannte Mindestverbüßungsdauer.

Eine OLG-Sprecherin bestätigte der Deutschen Presse-Agentur, dass die Anhörung der Vorbereitung einer gerichtlichen Entscheidung diene. Zuvor hatten „Münchner Merkur" und „tz" über den Termin berichtet.

Anwalt Mathias Grasel zufolge dauerte die Sitzung rund eineinhalb Stunden. Grasel forderte für seine Mandantin eine Gesamthaftstrafe von nicht mehr als 20 Jahren.

Das OLG München hatte Zschäpe 2018 als Mittäterin an der NSU-Mordserie verurteilt und zugleich die besondere Schwere der Schuld festgestellt – womit eine Haftentlassung nach der regulären 15-Jahres-Frist nahezu ausgeschlossen ist. Diese Frist läuft laut Gericht im November ab, da Zschäpe im November 2011 in Untersuchungshaft kam. Das Gericht muss deshalb in Kürze über die Mindestverbüßungsdauer entscheiden.

Zschäpe verbüßt ihre Strafe in der Justizvollzugsanstalt Chemnitz in Sachsen und wurde für die Anhörung eigens nach München gebracht. Im vergangenen Jahr hatte sie ihre Aufnahme in ein Neonazi-Aussteigerprogramm erreicht.

Der „Nationalsozialistische Untergrund" (NSU) war eine Terrorzelle, bestehend aus Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt. Von 2000 an verübten sie unerkannt zehn Morde in ganz Deutschland, fünf davon in Bayern. Neun Opfer waren Gewerbetreibende türkischer und griechischer Herkunft, eines eine deutsche Polizistin. Mundlos und Böhnhardt verübten darüber hinaus zwei Bombenanschläge in Köln mit Dutzenden Verletzten.

Die beiden Männer töteten sich 2011, um ihrer Festnahme zu entgehen – erst dadurch flog der NSU auf. Zschäpe, die einzige Überlebende des Trios, wurde als Mittäterin verurteilt, obwohl bis heute kein Beweis vorliegt, dass sie selbst an einem Tatort anwesend war.

Source: BILD

Read this article in English