Schutzwesten-Mangel: Berlin fordert Schadenersatz von Rheinmetall in Millionenhöhe
5.200 ballistische Schutzplatten der Berliner Polizei wurden eingezogen, weil sie nicht schusssicher waren. Berlin bestellt Ersatz für 1,2 Millionen Euro und verlangt Schadenersatz von Rheinmetall.

Berliner Polizei trägt fehlerhafte Schutzplatten von Rheinmetall – Stadt fordert Millionen zurück
Mehr als 5.200 ballistische Schutzplatten der Berliner Polizei mussten aus dem Verkehr gezogen werden, weil sie ihren Schutz vor Ablauf der zehnjährigen Herstellergarantie verloren hatten. Wie BILD exklusiv berichtete, betrifft der Sicherheitsvorfall das Modell KINS.0087 D T04 C01 – Keramikplatten der Schutzklasse 4, die zwei bis drei Kilogramm wiegen und in Westen eingesteckt werden, wenn Bedrohungen durch Jagdgewehre oder Sturmgewehre bestehen.
Berlins Innensenatorin Iris Spranger (SPD) bezeichnete den Vorgang im Innenausschuss des Abgeordnetenhauses als „skandalös" und erhob schwere Vorwürfe gegen Hersteller Rheinmetall. „Es ist ein absolut nicht hinnehmbarer Qualitätsmangel bei einem Produkt der Firma Rheinmetall", sagte Spranger. Sie sprach von einem „Versagen von Rheinmetall".
Die sogenannte „Nutzungsuntersagung" wurde laut BILD-Informationen am 29. Juli ausgesprochen. In einer polizeiinternen Unterlage, die BILD vorliegt, heißt es: „Grund dafür ist ein Nichtbestehen von Beschusstests durch das Beschussamt Mellrichstadt." Bei Prüfungen und Kontrollbeschüssen sei es zu Durchschüssen gekommen. Die Platten stammen aus dem Jahr 2017.
Die betroffene Schutzausrüstung wird in Einsatzszenarien wie Amoklagen, Terroranschlägen und Operationen gegen schwer bewaffnete Gruppen aus der organisierten Kriminalität benötigt. Für 2.000 Ersatzplatten orderte Berlin nun 1,2 Millionen Euro ein – das entspricht weniger als der Hälfte der ausgefallenen Stückzahl.
Spranger fordert, dass Rheinmetall den entstandenen Schaden unverzüglich ausgleicht. Sie kündigte an, sich persönlich mit den Zuständigen des Unternehmens zu treffen, um Schadenersatzansprüche durchzusetzen. Rheinmetall hat sich bislang nicht zu den Vorwürfen geäußert.
Source: BILD