Freispruch für Fenech: Mord an Journalistin Caruana Galizia bleibt ohne Auftraggeber
Der maltesische Geschäftsmann Yorgen Fenech wurde überraschend freigesprochen. Wer den Bombenanschlag auf Daphne Caruana Galizia 2017 in Auftrag gab, ist weiterhin ungeklärt.

Freispruch erschüttert Aufarbeitung des Attentats auf Caruana Galizia
Acht zu einer Stimme: Mit diesem eindeutigen Votum sprachen Geschworene den maltesischen Geschäftsmann Yorgen Fenech am Mittwoch in allen Anklagepunkten frei. Wie Google News CH — Crime (de) berichtet, verliess Fenech den Gerichtssaal als freier Mann — fast neun Jahre nach dem Bombenanschlag auf die Investigativjournalistin Daphne Caruana Galizia.
Caruana Galizia kam im Oktober 2017 ums Leben, als eine Bombe in ihrem Auto explodierte. Die maltesische Journalistin hatte bis zuletzt hartnäckig über Verbindungen der politischen und wirtschaftlichen Elite ihrer Heimat zur organisierten Kriminalität recherchiert — und dabei weder einflussreiche Unternehmer noch die Regierung noch die Opposition verschont.
Die Bombenleger und deren Helfer wurden zwar gefasst und verurteilt. Insgesamt fünf Personen sind in diesem Zusammenhang bislang rechtskräftig schuldig gesprochen worden. Die zentrale Frage — wer den Mord in Auftrag gab — blieb jedoch bis heute ungeklärt.
Fenech galt von Beginn an als Hauptverdächtiger. Der wohlhabende Geschäftsmann stand wiederholt im Mittelpunkt von Caruana Galizias Enthüllungen; zudem wurde er von einem der unmittelbaren Tatbeteiligten direkt als Auftraggeber belastet. Fenech bestritt die Vorwürfe stets und beschuldigte seinerseits einen engen Vertrauten des früheren Premierministers Joseph Muscat.
Die Familie der getöteten Journalistin zeigte sich nach dem Urteil enttäuscht und prangerte die fehlende Rechtsstaatlichkeit auf Malta an. Sie wirft der sozialdemokratischen Regierung vor, Justiz und Rechtsstaat in den vergangenen Jahren bewusst nicht gestärkt zu haben. Internationale Beobachter teilen diese Einschätzung und verweisen auf eine tief verwurzelte Kultur der Straflosigkeit im kleinsten EU-Mitgliedstaat.
Das Urteil wirft erneut ein Schlaglicht auf ein Justizwesen, dem seit Jahren Ineffizienz und mangelnde Unabhängigkeit von der Politik vorgeworfen werden. Die Staatsanwaltschaft kann den Entscheid zwar noch anfechten. Doch mit zunehmendem zeitlichen Abstand verblassen die Erinnerungen von Zeuginnen und Zeugen — und damit auch die Aussicht, jemals zweifelsfrei zu klären, wer den tödlichen Anschlag auf Caruana Galizia und die maltesische Pressefreiheit angeordnet hat.
Source: Google News CH — Crime (de)