Freispruch für Yorgen Fenech im Mordfall Journalistin Caruana Galizia

Ein maltesisches Geschworenengericht hat Geschäftsmann Yorgen Fenech im Mordfall der Investigativjournalistin Daphne Caruana Galizia freigesprochen. Die Familie zeigt sich enttäuscht.

Freispruch für Yorgen Fenech im Mordfall Journalistin Caruana Galizia

Jury spricht Fenech mit 8 zu 1 Stimmen frei

Google News CH — Crime (de) berichtet: Ein maltesisches Geschworenengericht hat den Unternehmer Yorgen Fenech im Mordfall der Investigativjournalistin Daphne Caruana Galizia freigesprochen. Das Abstimmungsergebnis der Jury fiel mit 8 zu 1 deutlich aus. Die Geschworenen hatten sich am Vormittag zur Beratung zurückgezogen, bevor sie ihr Urteil verkündeten. Fenech gilt als einer der wohlhabendsten Männer Maltas.

Caruana Galizia war am 16. Oktober 2017 in der Nähe ihres Hauses durch eine Autobombe getötet worden. Die 53-Jährige galt als eine der bekanntesten investigativen Reporterinnen des Landes und hatte über Korruption in Politik und Wirtschaft recherchiert. Ihr Tod gilt als einer der spektakulärsten Mordfälle in der Geschichte des kleinen EU-Mitgliedstaats.

Drei Auftragsmörder — darunter zwei Brüder — hatten sich bereits vor einigen Jahren schuldig bekannt und verbüssen Haftstrafen zwischen 15 und 40 Jahren. Zwei weitere Männer, die wegen der Lieferung der Bombe verurteilt wurden, erhielten lebenslange Freiheitsstrafen.

Fenech war im November 2019 festgenommen worden, als er mit seiner Jacht aus einem ihm gehörenden Jachthafen im gehobenen Stadtteil St. Julian's auslief. Die Anklage stützte sich auf Aussagen seines Chauffeurs Melvin Theuma, der gestanden hatte, als Vermittler bei dem Mord fungiert zu haben. Theuma erhielt im Gegenzug für seine Aussage eine Begnadigung.

Theuma erklärte, als Mittelsmann zwischen den Auftragsmördern und Fenech als mutmasslichem Auftraggeber aufgetreten zu sein. Fenech habe ihm 150.000 Euro übergeben. Aufzeichnungen und Textnachrichten, in denen beide über die Auftragsmörder und die Mordermittlungen kommuniziert haben sollen, legte Theuma als Belege vor.

Fenech räumte ein, von den Mordplänen gewusst zu haben, bestritt aber, der Auftraggeber gewesen zu sein. Er beschuldigte seinen ehemaligen Freund Keith Schembri, den damaligen Stabschef von Ministerpräsident Joseph Muscat, der eigentliche Drahtzieher zu sein.

Fenech war Direktor eines Kraftwerkskonsortiums, über das Caruana Galizia intensiv recherchiert hatte. Diese Verbindung brachte ihn nach dem Mord ins Visier der Ermittler. Die Festnahme sowie der Verdacht einer Beteiligung hochrangiger Regierungsvertreter hatten im Dezember 2019 landesweite Proteste ausgelöst, die Muscat schliesslich zum Rücktritt zwangen.

Die Familie von Caruana Galizia reagierte enttäuscht auf den Freispruch. Dieser verwehre der Journalistin die Gerechtigkeit, die ihr zustehe, erklärte die Familie in einer Stellungnahme. Der heutige Tag hätte eigentlich ihr gehören sollen. Die institutionellen Versäumnisse, die ihren Mord ermöglicht hätten, seien bis heute nicht aufgearbeitet worden.

Source: Google News CH — Crime (de)

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