Freispruch im Mordfall Daphne Caruana Galizia: Geschäftsmann Fenech nicht schuldig
Eine Jury in Valletta sprach den Unternehmer Yorgen Fenech vom Vorwurf frei, Drahtzieher des Bombenattentats auf die maltesische Journalistin zu sein.

Jury spricht Fenech mit 8:1 vom Mordvorwurf frei
Knapp neun Jahre nach dem Autobombenanschlag auf die maltesische Journalistin Daphne Caruana Galizia hat eine Jury den Unternehmer Yorgen Fenech von allen Vorwürfen freigesprochen. Das berichtet Google News AT — Crime (de) unter Berufung auf den Kurier. Das Gericht in Valletta befand den 44-Jährigen am Mittwoch weder der Beihilfe zum Mord noch der kriminellen Verschwörung für schuldig — das Abstimmungsergebnis fiel mit 8 zu 1 deutlich aus.
Caruana Galizia war am 16. Oktober 2017 in ihrem Auto in der Nähe ihres Hauses in die Luft gesprengt worden. Die 53-jährige Investigativjournalistin hatte über Korruption in Politik und Wirtschaft Maltas recherchiert und galt als eine der bekanntesten Reporterinnen des Landes.
Kronzeuge und Mordvermittler
Die Anklage stützte sich auf die Aussagen von Melvin Theuma, dem Chauffeur Fenechs. Theuma hatte gestanden, als Vermittler zwischen den Auftragsmördern und Fenech fungiert zu haben; für seine Kooperation erhielt er eine Begnadigung. Er belegte seine Angaben mit Aufzeichnungen und Textnachrichten, in denen er und Fenech über die Auftragsmörder und die Mordermittlungen kommuniziert hatten. Theuma gab an, Fenech habe ihm 150.000 Euro übergeben.
Fenech räumte ein, von den Mordplänen gewusst zu haben, wies die Verantwortung jedoch von sich. Sein ehemaliger Freund Keith Schembri — zum Tatzeitpunkt Stabschef von Ministerpräsident Joseph Muscat — sei der wahre Auftraggeber des Mordes gewesen, erklärte Fenech.
Hintergrund: Festnahme und Regierungskrise
Fenech, Spross einer der einflussreichsten Unternehmerfamilien des Inselstaates südlich von Sizilien, war im November 2019 festgenommen worden, als er mit seiner Jacht aus einem ihm gehörenden Hafen im Nobelstadtteil St. Julian's auslief. Er war Direktor eines Kraftwerkskonsortiums, zu dem Caruana Galizia intensiv recherchiert hatte.
Die Festnahme sowie der Verdacht einer Beteiligung hochrangiger Regierungsvertreter lösten im Dezember 2019 landesweite Proteste aus und zwangen Ministerpräsident Muscat zum Rücktritt, der im Jänner 2020 vollzogen wurde. Eine 2021 veröffentlichte Untersuchung stellte fest, dass die Regierung ein „Klima der Straflosigkeit" für jene geschaffen hatte, die Caruana Galizia zum Schweigen bringen wollten.
Drei Täter verurteilt, zwei zu lebenslang
Drei Auftragsmörder hatten sich bereits vor einigen Jahren schuldig bekannt und verbüßen Haftstrafen zwischen 15 und 40 Jahren. Zwei weitere Männer, die wegen der Lieferung der Tatbombe verurteilt wurden, erhielten lebenslange Freiheitsstrafen.
Der Freispruch Fenechs beendet einen der längsten Mordprozesse in der Geschichte Maltas — mit einem Ausgang, den Beobachter als unerwartete Wende werten.
Familie fordert weitere Aufarbeitung
Die Familie von Caruana Galizia reagierte mit Enttäuschung auf das Urteil. Der Freispruch verwehre der Journalistin die Gerechtigkeit, die sie verdient habe, erklärte die Familie in einer Stellungnahme. Die institutionellen Versäumnisse, die den Mord ermöglicht hätten, seien weiterhin nicht aufgearbeitet.
Source: Google News AT — Crime (de)