Mutter erdrosselte drei Kinder: Jury in Massachusetts nach fünf Tagen weiter uneins

Im Mordprozess gegen Lindsay C. aus Duxbury ringt die Jury seit fünf Tagen ergebnislos um ein Urteil. Die Angeklagte tötete 2023 ihre drei Kleinkinder.

Mutter erdrosselte drei Kinder: Jury in Massachusetts nach fünf Tagen weiter uneins

Kein Urteil in Plymouth: Geschworene streiten über Schuldfähigkeit von Lindsay C.

Fünf Beratungstage, kein Ergebnis: Die Jury im Prozess gegen Lindsay C. hat sich in Plymouth, Massachusetts, bislang nicht auf ein Urteil einigen können. Das berichtet n-tv. Die 36-jährige Krankenschwester gestand, im Januar 2023 ihre drei Kinder im Alter von fünf Jahren, drei Jahren und acht Monaten im Keller ihres Hauses in Duxbury südöstlich von Boston mit Fitnessbändern erdrosselt zu haben.

Bevor sie die Taten beging, bat sie den Vater der Kinder, Abendessen und Medizin zu besorgen. Als er zurückkehrte, fand er seine Frau mit Schnittwunden vor dem Haus und die toten Kinder im Keller. Lindsay C. hatte sich selbst Verletzungen zugefügt und war anschließend aus einem Fenster im zweiten Stock gesprungen. Seitdem ist sie querschnittsgelähmt und sitzt im Rollstuhl. Während der vierwöchigen Verhandlung brach sie mehrfach schluchzend zusammen.

Staatsanwaltschaft: kaltblütig geplanter Mord

Die Anklagebehörde hält Lindsay C. für voll schuldfähig. Sie habe den Mord an ihren Kindern kaltblütig geplant und sei in der Lage gewesen, die Konsequenzen ihres Handelns zu verstehen, argumentiert die Staatsanwaltschaft. Die Taten zeugten von „extremer Grausamkeit und Brutalität", so die Staatsanwältin. Dass die Angeklagte psychisch krank sei, bestreite die Anklagebehörde dabei ausdrücklich nicht.

Bei einem Schuldspruch droht Lindsay C. lebenslange Haft ohne Bewährungsmöglichkeit.

Verteidigung: postpartale Psychose und Übermedikation

Die Verteidigung plädiert auf nicht schuldig. Lindsay C. gab vor Gericht an, eine Stimme habe ihr befohlen, ihre Kinder zu töten. Ihre Anwälte führen dies auf eine Übermedikation sowie eine postpartale Psychose zurück, auch als Wochenbettpsychose bekannt.

Die postpartale Psychose kann noch Wochen oder Monate nach einer Geburt auftreten und geht in seltenen Fällen mit Wahnvorstellungen oder Halluzinationen einher. Experten bezeichnen sie als schwerste Form psychischer Erkrankung nach der Entbindung. Betroffen sind laut Fachleuten etwa ein bis zwei von tausend Müttern.

Der Vater der Kinder, mittlerweile von Lindsay C. geschieden, sagte vor Gericht aus, sie habe seit den Geburten mit Depressionen und Angstzuständen gekämpft und Medikamente genommen. Am Tag der Tat habe sie auf ihn jedoch einen ihrer „besten Tage" gehabt — sie habe „glücklich" gewirkt und viel mit den Kindern gespielt.

Lindsay C. selbst schilderte vor Gericht, mehrfach professionelle Hilfe gesucht, sich medikamentös einstellen lassen und sich selbst in stationäre psychiatrische Behandlung begeben zu haben.

Zwischenfall mit mutmaßlicher Einschüchterung der Jury

Die Urteilsfindung wurde durch einen Zwischenfall zusätzlich belastet: Eine 56-jährige Frau namens Dawn L. — ebenfalls Krankenschwester — soll Geschworene fotografiert und damit einzuschüchtern versucht haben. Sie wies den Vorwurf laut US-Medien zurück.

Parallel zum Prozess demonstrierten in den vergangenen Wochen Dutzende Frauen vor dem Bezirksgericht in Plymouth. Sie bekundeten Solidarität mit der Angeklagten und wollten auf psychische Erkrankungen von Müttern sowie auf Lücken im US-Gesundheitssystem aufmerksam machen.

Source: n-tv