Betrug bei kika/Leiner: Ex-Geschäftsführer in Untersuchungshaft, Schaden 16 Millionen Euro
Ein früherer Geschäftsführer der insolventen Möbelkette kika/Leiner sitzt in U-Haft. Rund 4.700 Kunden sollen geschädigt worden sein.

Ex-Chef von kika/Leiner nach Betrugsverdacht festgenommen
Ein früherer Geschäftsführer der insolventen Möbelkette kika/Leiner wurde am Freitag festgenommen — am darauffolgenden Sonntag verhängte das Gericht Untersuchungshaft. Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) bestätigte dies laut ORF am Dienstag gegenüber der APA. Der mutmaßliche Gesamtschaden beläuft sich auf rund 16,1 Millionen Euro.
„Der Beschuldigte steht im dringenden Verdacht, die Notlage von Hochwasseropfern im September 2024 gezielt ausgenutzt zu haben", erklärte die WKStA. Im Rahmen einer in sozialen Netzwerken beworbenen „Unwetter-Soforthilfe-Aktion" soll Kunden ein Rabatt von 20 Prozent auf Möbelkäufe versprochen worden sein — mit dem Ziel, rasch Anzahlungen zu generieren.
Diese Aktion soll Teil eines systematischen Betrugsschemas gewesen sein. Laut WKStA war das Handelsunternehmen ab Ende Jänner 2024 tatsächlich zahlungsunfähig. Trotzdem soll der Beschuldigte weiterhin Anzahlungen für Möbelkäufe entgegengenommen und Wertgutscheine vertrieben haben, obwohl eine Lieferung mangels Liquidität unmöglich war.
Mindestens 4.700 Kunden und Kundinnen leisteten laut Staatsanwaltschaft Anzahlungen und erhielten keine Ware. Der daraus entstandene Schaden wird auf rund 15 Millionen Euro beziffert. Zunächst hatte die Staatsanwaltschaft St. Pölten in dem Fall ermittelt und ihn dann an die WKStA abgetreten, berichtete der „Kurier".
Darüber hinaus besteht laut WKStA der dringende Verdacht, dass der Beschuldigte kurz vor der Insolvenzeröffnung gezielt Vermögen der Möbelkette beiseitegeschafft hat, um die Befriedigung der Gläubiger im Insolvenzverfahren des Landesgerichts St. Pölten zu vereiteln oder zu schmälern. Er soll Zahlungen für Rechnungen ohne adäquate Gegenleistungen freigegeben und damit insgesamt 1,1 Millionen Euro abgezogen haben. Diese Gelder sollen an eine kooperierende Gesellschaft sowie an ein eigenes Unternehmen des Beschuldigten geflossen sein.
Im Hintergrund steht die Signa-Gruppe des derzeit ebenfalls in U-Haft sitzenden René Benko: Signa hatte die kika/Leiner-Immobilien 2023 an den Grazer Immobilienentwickler Supernova verkauft und das operative Möbelgeschäft abgegeben. Kurz danach folgte der erste Insolvenzantrag.
Die Verhängung der U-Haft signalisiere laut Staatsanwaltschaft, dass das Gericht die Rechtsansicht der WKStA teile und ebenfalls von einem dringenden Tatverdacht ausgehe. Als weitere Haftgründe werden Flucht-, Verdunkelungs- und Tatbegehungsgefahr angeführt. Der Beschuldigte bestreitet die Vorwürfe laut „Kurier". Es gilt die Unschuldsvermutung.
Source: ORF