Mordfall Fabian: Gefängnisprotokoll zeigt manipulatives Verhalten von Gina H.

Im Prozess um den Tod des achtjährigen Fabians wurden Protokolleinträge über die Verdächtige Gina H. verlesen. Die Gefängnispsychologin räumte manipulative Tendenzen ein.

Mordfall Fabian: Gefängnisprotokoll zeigt manipulatives Verhalten von Gina H.

Protokoll belastet Gina H.: «Fast täglich Eintragungen» zu Zwischenfällen

Im Prozess um den Tod des achtjährigen Fabians hat der Richter am Dienstag die Gefängnispsychologin als Zeugin befragt. Wie 20 Minuten berichtet, wurde dabei das Protokoll des Vollzugsdienstes wiederholt herangezogen – mit teils belastenden Einträgen über die Verdächtige Gina H.

Der Richter wies darauf hin, dass sich im Protokoll «fast täglich Eintragungen» zu Vorfällen mit Gina H. finden. Ein Eintrag vom 25. Dezember 2025 hält fest, dass die Verdächtige «sehr freizügig» an die Zellentür trete – auch gegenüber männlichen Bediensteten, teils nur in Unterwäsche.

Die Gefängnispsychologin zeigte dafür Verständnis: «Na gut, das ist ihr privater Wohnraum, aber wie sie gekleidet ist, das kann ich nicht sagen.» Grundsätzlich zeichnete sie ein zurückhaltendes Bild der Verdächtigen – «insgesamt eher ruhig, freundlich, sehr angepasst und kontrolliert. Sehr häufig wird beschrieben, dass sie fröhlich ist, dass sie lacht».

Manipulative Muster im Vollzugsalltag

Der Richter blieb aber bei den Protokolleinträgen. Aus einem Eintrag vom 22. Juni 2026: «Die Gefangene versucht immer wieder, durch Lügen Vorteile herauszuschlagen» – und weiter: «Ein Nein kann sie nur schwer akzeptieren.» Vom 8. März stammt der Eintrag: «Frau H. zeigt sich im Verhalten hochgradig manipulativ. Sie versucht, Kollegen und Schichten gegeneinander auszuspielen.»

Ein Eintrag vom 2. August beschreibt, wie Gina H. behauptete, eine Mitgefangene wolle sie mit einem Messer angreifen. Die Überprüfung ergab, dass es sich um eine Lüge handelte – mit dem Ziel, den Einschluss der Mitgefangenen zu erzwingen.

«Ich würde schon sagen, dass ich bei Frau H. manipulative Tendenzen sehe», räumte die Psychologin ein. Sie relativierte jedoch: «Es gibt kaum Inhaftierte, die nicht versuchen, sich die Haftbedingungen ein Stück weit zu verbessern.»

Der Richter konfrontierte sie daraufhin mit einem weiteren Protokolleintrag, dem zufolge Gina H. versuche, «die Gefängnispsychologin für eigene Vorteile zu nutzen». Die Zeugin stritt dies nicht ab: «Sie hat unterschwellig versucht, dass ich das ein oder andere möglich mache.»

Psychologische Diagnose steht noch aus

Eine formelle Diagnose hat die Psychologin bisher nicht gestellt. Diese würde erst nach einem rechtskräftigen Urteil erfolgen. Gina H. habe ihr gegenüber von drei psychiatrischen Klinikaufenthalten berichtet und dabei Borderline-Persönlichkeitsstörung, Depression, Angststörung sowie eine posttraumatische Belastungsstörung als Diagnosen angegeben. Auch Vergewaltigungen und Suizidversuche seien Gesprächsthema gewesen, so die Psychologin.

Am 10. September soll Gina H. erneut vor Gericht aussagen und auch Fragen beantworten – eine Kehrtwende, da sie dies zuvor ausgeschlossen hatte. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Source: 20 Minuten

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