Schüsse am Aarauer Rave: Polizei verhaftet 43-Jährigen, drei Tatmotive im Fokus
Nach dem Angriff auf einen Rave in Aarau mit einer Toten und fünf Verletzten wurde ein 43-jähriger Schweizer verhaftet. Die Polizei prüft Terror, Amoklauf und kriminelle Abrechnung.
Festnahme nach tödlichen Schüssen in Aarau – Ermittler verfolgen drei Hypothesen
Am Montagmittag meldete die Kantonspolizei Aargau einen ersten Durchbruch: Ein 43-jähriger Schweizer wurde unter dringendem Tatverdacht verhaftet. Weitere Details zum Tatverdächtigen sollen laut Blick bei einer Pressekonferenz am Mittwoch um 14 Uhr bekanntgegeben werden.
Trotz der Festnahme bleiben zentrale Fragen zur Schiesserei offen, die sich in der Nacht auf Sonntag bei einem Rave auf der Pferderennbahn in Aarau ereignet hatte. Dabei starb eine Frau, fünf weitere Personen wurden verletzt. Ob es weitere Täter gibt und was das Motiv war, ist weiterhin unklar.
Terror, Amoklauf oder Milieu-Abrechnung
Polizeikommandant Michael Leupold skizzierte am Sonntagabend vor den Medien drei mögliche Tatmotive: «Die erste Hypothese ist ein Terroranschlag, die zweite ein Amoklauf, und die dritte umfasst ein kriminelles Geschehen mit uns derzeit unbekannter Motivlage. Etwa eine Abrechnung in einem bestimmten Milieu.»
Bei einem Terroranschlag wäre die Tat politisch oder religiös motiviert und auf Einschüchterung der Gesellschaft oder Destabilisierung des Staates ausgerichtet. Ein Amoklauf hingegen geht in der Regel auf ein privates Motiv oder eine persönliche Krise des Täters zurück.
Für beide Varianten spricht der Tatort: Über 2000 Menschen feierten am Samstagabend auf der Pferderennbahn. Mehrere Schüsse wurden abgefeuert, was sowohl die zahlreichen Patronenhülsen am Tatort als auch Videoaufnahmen bestätigen.
Gegen Terror und Amoklauf spricht jedoch der Zeitpunkt. Die Schüsse fielen kurz nach 2.30 Uhr morgens – zu diesem Zeitpunkt war die Musik bereits abgestellt, die meisten Gäste auf dem Heimweg. Vor Ort waren noch rund 100 Personen. Zudem fand gleichentags in Aarau ein grosses Musikfestival mit deutlich mehr Besuchern statt, das ohne Zwischenfälle verlief. Die Täterschaft hätte also eine weit grössere Schockwirkung erzielen können.
Keine erkennbare Verbindung zwischen Opfern
Als drittes Motiv steht eine Milieu-Abrechnung im Raum, auch ein Beziehungsdelikt schliesst die Polizei nicht aus. Handfeste Beweise für beide Varianten fehlen bislang. Zwischen der verstorbenen Italienerin und den fünf Verletzten ist laut Polizei keine Verbindung erkennbar.
Patronenhülsen deuten auf AK-74-Sturmgewehr hin
Ein möglicher Hinweis auf das Täterumfeld liefern die am Tatort sichergestellten Hülsen: Die Ermittler fanden sowohl 9-Millimeter-Patronen als auch Hülsen im Kaliber 5,45 × 39 mm. Letztere entsprechen der Standardmunition des russischen Sturmgewehrs AK-74, dem leichteren Nachfolgemodell der AK-47.
AK-Sturmgewehre sind laut einer Studie der Cambridge University Press aus dem Jahr 2013 bei organisierten kriminellen Gruppen verbreitet, weil sie selten Fehlfunktionen zeigen und günstiger sind als vergleichbare Waffen. In Italien setzen Mafia-Mitglieder häufig auf diesen Waffentyp. Bei einer Razzia auf Sizilien Ende der 1990er-Jahre stellte die Polizei 50 AK-Sturmgewehre sicher; 2006 wurde in Neapel ein internationaler Waffenhandelsring zerschlagen, der mehrere Mafia-Clans mit AK-Gewehren belieferte.
Die Ermittlungen laufen weiter. Ob der verhaftete 43-Jährige allein handelte oder Mittäter beteiligt waren, bleibt bis zur Pressekonferenz am Mittwoch offen.
Source: Blick