Schiesserei am Aarauer Rave: Rekonstruktion der Tatnacht, in der Maria S. starb

Am frühen Sonntagmorgen fielen Schüsse auf den Rave in Aarau: Eine 22-jährige Italienerin starb, fünf weitere Personen wurden verletzt. Ein 43-jähriger Schweizer wurde festgenommen.

Minutengenau: Was in der Tatnacht in Aarau geschah

Laut einer Rekonstruktion von Blick begann der diesjährige Rave an der Aarauer Pferderennbahn um 15 Uhr. Stunden später tanzten noch Dutzende Feiernde auf der Tanzfläche, die Schweizer DJs Tekibo und Pencil legten um 2.27 Uhr auf. Pencil wurde dabei gefilmt, wie er oberkörperfrei auf dem DJ-Pult tanzte.

Dann bricht die Musik abrupt ab. Mehrere Schusssalven fallen — von ausserhalb des Festivalgeländes. Bei den parkierten Autos draussen wird ein «Schatten» mit Sturmgewehr gesichtet. Die verbliebenen Partygäste halten die Schüsse zunächst für Feuerwerk. Erst allmählich begreift die Menge den Ernst der Lage. «Duckt euch, es wird geschossen!», hallt es durch den Veranstaltungsort. Einige Personen verstecken sich hinter dem Kühlschrank der Bar. Verena K. und weitere Frauen rennen die Treppe hoch und flüchten in die Toiletten.

Zur selben Zeit trifft eine Kugel Maria S. (†22). Die Italienerin wird in die Brust und am Hals getroffen und geht zu Boden. Mehrere Personen wagen sich aus der Deckung und versuchen, sie zu reanimieren — vergeblich. Maria S. verblutet. Vier Schweizer sowie eine Deutsche im Alter zwischen 24 und 31 Jahren werden ebenfalls verletzt, teils schwer. Die Security reagiert sofort, öffnet die Notausgänge Richtung Aare und evakuiert die Anwesenden.

Nur wenige Minuten nach den Schüssen auf dem Rave — zwischen 2.30 und 3 Uhr — kommt es beim nahegelegenen Fahrendenlager zu einem weiteren Zwischenfall. Ein Fahrender, der die Schüsse auf dem Schachen-Areal gehört hatte, will mit anderen Personen fliehen. Als die Gruppe mit dem Auto wegfahren will, hält laut seinem Bericht gegenüber Tele M1 ein Fahrzeug vor ihnen an. Eine Person steigt aus und richtet eine Waffe auf den Fahrer. Dieser gibt Gas — eine Kugel schlägt in die Mercedes G-Klasse ein.

Einer Augenzeugin zufolge dauert es rund 20 bis 30 Minuten, bis die Polizei am Veranstaltungsort eintrifft. Gegen 3 Uhr werden die Frauen, die sich im Damen-WC versteckt haben, von Mitgliedern einer Spezialeinheit herausgeholt. Die Polizei bringt die Zeugen in eine nahegelegene Halle zur Befragung.

Gleichzeitig läuft eine Grossfahndung an. Das Gebiet wird weiträumig abgesperrt. Ein Superpuma der Armee hebt ab, um die Suche nach dem oder den Tätern aus der Luft zu unterstützen. Dem Täter gelingt es offenbar noch im Schutz der Dunkelheit, das Areal zu verlassen.

Die Polizei richtet Kontrollpunkte in der Region Aarau ein, Fahndungsinformationen gehen an alle Kantonspolizeien sowie die deutsche Polizei. Im Laufe des Sonntags sichern Einsatzkräfte Projektile und Munitionsspuren von zwei verschiedenen Waffentypen: von Pistolen sowie von einem Sturmgewehr. Wie viele Täter auf dem Areal um sich schossen, bleibt zunächst unklar.

Um 17.27 Uhr meldet sich die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni auf X zu Wort und fordert eine umfassende Aufklärung des Falls.

Am Sonntagabend erklärt Polizeikommandant Michael Leupold an einer Medienkonferenz, dass die Ermittler in drei Richtungen ermitteln: «Die erste Hypothese ist ein Terroranschlag, die zweite ein Amoklauf, und die dritte umfasst ein kriminelles Geschehen mit uns derzeit unbekannter Motivlage — etwa eine Abrechnung in einem bestimmten Milieu.»

Am Montagmittag vermeldet die Kantonspolizei Aargau die Festnahme eines 43-jährigen Schweizers, der unter dringendem Tatverdacht steht. Die Behörden gehen zum aktuellen Zeitpunkt von einem Einzeltäter aus. Weitere Informationen sollen im Rahmen einer Medienkonferenz am Mittwoch bekanntgegeben werden.

*Name von der Redaktion geändert.

Source: Blick

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