Schütze nach tödlichem Angriff auf Rave in Aarau festgenommen

Ein 43-jähriger Schweizer wurde am 31. August festgenommen, nachdem er beim Aarauer Rave eine Frau getötet und fünf weitere Personen verletzt haben soll.

Verhaftung nach Schusswaffenangriff beim Aarauer Rave

Ein 43-jähriger Schweizer Mann wurde am Montagmorgen, 31. August, verhaftet – unter dem dringenden Verdacht, beim Aarauer Rave in der Nacht auf Sonntag das Feuer eröffnet und dabei eine Frau getötet sowie fünf weitere Personen verletzt zu haben. Das meldet The Local Switzerland unter Berufung auf die Kantonspolizei Aargau.

Die Polizei gab in einer Mitteilung an, der Mann sei in der Nacht angehalten worden und «in der Folge unter dringendem Tatverdacht verhaftet» worden. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt gehe man davon aus, dass er als Einzeltäter gehandelt habe.

Eine Tote, fünf Verletzte

Die Schüsse fielen laut Lokalmedien kurz vor 3:00 Uhr morgens in der Nähe des Aarauer Raves, einer jährlichen Techno-Party auf der Rennbahn Aarau, die von Samstagmittag bis Sonntagmorgen rund 3.500 Besucherinnen und Besucher anzog.

«Eine 22-jährige Frau erlag ihren Verletzungen noch am Tatort. Vier Männer und eine Frau im Alter zwischen 24 und 27 Jahren wurden ins Spital gebracht. Sie weisen Verletzungen von leicht bis schwer auf», teilte die Kantonspolizei Aargau auf X mit.

Die getötete Frau wurde von der italienischen Regierung als Italienerin identifiziert. Ministerpräsidentin Giorgia Meloni nannte sie namentlich als Maria Spinelli. Das italienische Aussenministerium bestätigte zudem, dass zwei weitere italienische Staatsangehörige leicht verletzt wurden. Beamte der italienischen Botschaft in der Schweiz begaben sich an den Tatort, um «die Ermittlungen eng zu begleiten». Alle Opfer hatten laut Polizei ihren Wohnsitz in der Schweiz.

Schüsse aus zwei Richtungen – drei Hypothesen

Polizeikommandant Michael Leupold erklärte, die Ermittler hätten Hülsen zweier verschiedener Kaliber sichergestellt – von einer Pistole oder Maschinenpistole sowie von einem Sturmgewehr. Die Schüsse seien aus zwei verschiedenen Positionen abgegeben worden: vom Ravegelände selbst sowie von einem angrenzenden Wohnwagenpark.

Leupold nannte drei Ermittlungshypothesen: «Die erste ist ein Terroranschlag, die zweite ein Massaker, und die dritte eine gewöhnliche Straftat, deren Motiv noch unbekannt ist.» Zum Motiv des Festgenommenen lagen zum Redaktionsschluss keine gesicherten Erkenntnisse vor.

Zeugen berichteten gegenüber der Zeitung Blick, die Schüsse seien gegen 2:30 Uhr gefallen, während der Rave noch in vollem Gang war. Zunächst wurden die Detonationen für Feuerwerk gehalten, ein Augenzeuge beschrieb jedoch «Schüsse in Salven».

Grossaufgebot und Kooperation mit Deutschland

Ein Armeehelikopter wurde in der Kantonshauptstadt eingesetzt, dazu zahlreiche Polizisten, Rettungskräfte und medizinisches Personal. Ein AFP-Journalist beobachtete bewaffnete Beamte auf der Autobahn bis 30 Kilometer vom Tatort entfernt. Da die deutsche Grenze nur wenige Dutzend Kilometer entfernt liegt, werden die Ermittlungen laut der Nachrichtenagentur DPA in Zusammenarbeit mit der Freiburger Polizei geführt.

Viele Feiernde suchten in einer nahe gelegenen Sporthalle Zuflucht. Das Gelände rund um den Tatort wurde abgesperrt, während Beamte Spuren sicherten und Augenzeugen befragten. Die Kantonspolizei Aargau forderte die Bevölkerung auf, den Bereich zu meiden, und bat um Video- oder Bildmaterial vom Rave.

«Techno sollte ein Ort der Freiheit sein»

Der Schweizer DJ Tekibo, der beim Rave aufgetreten war, schrieb auf Instagram, er sei körperlich unverletzt, jedoch tief erschüttert. Er gab an, bei dem Angriff einen Freund verloren zu haben.

«Techno und Raves sollen Orte der Freiheit und Sicherheit sein, nie Orte, an denen so etwas passiert», schrieb er und bezeichnete die Ereignisse als «absolut herzzerreissend». «Ich versuche noch immer zu verarbeiten, was geschehen ist, weil ich einen wichtigen Freund verloren habe und mir die richtigen Worte fehlen.»

Ein Anwohner in Aarau veröffentlichte auf Social Media ein Video mit verlassenen Strassen und dem Geräusch mehrerer Schüsse im Hintergrund.

Waffen in der Schweiz weit verbreitet

Die Kantonspolizei Aargau ermittelt weiterhin zum genauen Tatablauf. Schweizer Armeeangehörige dürfen ihre Dienstwaffen zuhause aufbewahren, jedoch ohne Munition. Das Genfer Forschungszentrum Small Arms Survey ermittelte für das Jahr 2017 mehr als 2,3 Millionen Schusswaffen in Zivilbesitz – annähernd drei Waffen je zehn Einwohner. Damit lag die Schweiz weltweit auf Rang 16 bei der Waffendichte pro Kopf. Ein nationales Waffenregister existiert nicht.

Source: The Local Switzerland

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